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Harvard-Ökonomen geben Fehler bei folgenreicher Staatsschulden-Studie zu

19.04.2013

Auf mehr als 90 Prozent Staatsschuldenquote folgen Stagnation und Krise, hatten Reinhart und Rogoff 2010 in einem Paper konstatiert und wurden damit zu den wissenschaftlichen Bannerträgern der öffentlichen Austerität

Das 2010 veröffentlichte Paper "Growth in a Time of Debt" von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff hatte die in Harvard aufgebaute breite Datenbasis historischer Statistiken zu öffentlicher Verschuldung, Wachstum und Inflation einer Reihe von Staaten analysiert und beispielsweise festgestellt, dass ab einem öffentlichen Schuldenstand von 90 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP) das Wachstum drastisch reduziert werde. Das wurde sofort weltweit von sparwilligen Politikern genutzt, um ihre Austeritäts-Programme zu argumentieren, etwa von EU-Kommissar Olli Rehn und vom republikanischen Vorsitzenden des US Budget Committee im US-Kongress Paul Ryan.

Aufgefallen war der Fehler einem Ökonomenteam der University of Massachusetts, das eigentlich nur zu Übungszwecken die Ergebnisse von Reinhardt/Rogoff replizieren wollte, was mit den öffentlich verfügbaren Daten aber nicht gelang. Daraufhin stellten Reinhart/Rogoff ihre Spreadsheets zur Verfügung, wo die Prüfer nun "ernste Fehler, die das Verhältnis von öffentliche Schulden und Wachstum inakkurat darstellen", fanden.

Laut Thomas Herndon, dem Doktoranden, der die Fehler bemerkt hatte, und seinen Professoren Michael Ash and Robert Pollin hätten die Harvard-Ökonomen Daten ausgeschlossen und zudem unkonventionelle Gewichtungen vorgenommen, wobei die Fehler stets in die selbe Richtung erfolgt wären. So hätten Reinhart/Rogoff selektiv Jahre mit hohen Schulden und durchschnittlichem Wachstum ausgeschlossen, was zudem auch durch einen Kodierungsfehler erfolgt sei, den die Harvard-Professoren inzwischen eingestanden haben.

Um diese Fehler bereinigt würden die Zahlen zwar tatsächlich einen negativen Einfluss hoher Staatsschulden auf das Wachstum zeigen, der sei aber bei weitem nicht so stark, wie von Reinhart/Rogoff behauptet. Demnach würde im gesamten Sample die reale Wachstumsrate der Länder mit mehr als 90 Prozent Staatsverschuldung im Schnitt bei plus 2,2 Prozent gelegen haben, nicht bei minus 0,1 Prozent, wie Reinhart/Rogoff errechnet hatten, und es sei auch kein bestimmter Schuldenstand zu beobachten, ab dem das Wachstum dann signifikant einbreche.

Während die Harvard-Ökonomen nun die Ergebnisse betonen, die bestätigt werden konnten, und behaupten, dass im Grunde ohnehin alles so sei, wie sie behauptet hatten, meinen die Professoren der University of Massachusetts, dass nun die Sparprogramme selbst überprüft werden müssten, da die wesentlichen wissenschaftlichen Studien, die sie begründen, nachweislich fehlerhaft sind.

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