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Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Hinrichtungen ohne Prozess - und Vergewaltigungen

27.01.2013

Nach der Rückeroberung von Gebieten in Mali rächen sich Schwarzafrikaner an Tuareg und Arabern

Der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge rächen sich schwarzafrikanische Soldaten oder bewaffnete Zivilisten nach der Rückeroberung der zentralmalischen Städte Nioro und Sévaré an Tuareg und Arabern. Angeblich waren auch Fulbe-Kollaborateure von Racheakten betroffen. Das es zu solchen Racheakten kommt, ist insofern nicht überraschend, als sich die Tuareg und die arabisch dominierten Dschihadisten bei der Einnahme der Gebiete und der gewaltsamen Durchsetzung des Salafismus bei Bambara, Songhai, Bozo, Mandingo und anderen Volksgruppen nur bedingt beliebt machten und schon im letzten Jahr Hunderttausende in die Flucht trieben.

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Bei ihrem weit über die Sprachgrenze hinausgehenden Eroberungsfeldzug sollen Tuareg außerdem nicht nur gefangene Soldaten, sondern auch Angehörigen anderer Volksgruppen in größerer Zahl exekutiert haben. Weil es keine Prozesse gibt, lässt sich jedoch nicht herausfinden, welche der jetzt an Tuareg verübten Hinrichtungen tatsächlich Täter von damals trafen und welche Unschuldige. Klarer scheint die Lage bei den ebenfalls gemeldeten Vergewaltigungen: Aufgrund der Rolle der Frau in der Ideologie der Salafisten dürfte es sich bei den davon Betroffenen mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit um Personen handeln, die vorher keine Tötungen, Verstümmelungen oder Vertreibungen verübten.

Das Verhältnis zwischen Tuareg und Arabern auf der einen und Schwarzafrikanern auf der anderen Seite war in Mali schon in der Vergangenheit alles andere als konfliktfrei: 1906 rebellierten die Tuareg, nachdem die französische Kolonialverwaltung ihre afrikanischen Sklaven befreite und auch heute noch sehen viele der selbst in einem Feudalsystem gefangenen Nomaden und Nomadenabkömmlinge auf die dunkelhäutigeren "Iklan" herab. Und viele Araber, die im Nordwesten Malis umherschweifen, empfanden es nach der Ausrufung des Vielvölkerstaates mit seinen Linealgrenzen als schwere Demütigung, nominell von einer schwarzafrikanischen Regierung und Verwaltung beherrscht zu werden. Dass Tuareg-Salafisten von Ansar Dine und die (aus der al-Qaida im Islamischen Maghreb hervorgegangene) "Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika" (die ihre Mitglieder aus dem gesamten arabischen Raum und sogar aus Pakistan und Nordamerika rekrutiert), im letzten Jahr Gebiete jenseits der Wüste eroberten, wird deshalb von manchen Schwarzafrikanern als ein Akt des Neokolonialismus betrachtet.

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Volksgruppen in Mali

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