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Hoeneß und die Steuergerechtigkeit

22.04.2013

Hoeneß ist nur ein Einzelfall der "ehrbaren" reichen Bürger, die meinen, über dem Gesetz und dem demokratischen Rechtsstaat zu stehen

War Uli Hoeneß ein Vorbild? Als einstiger Nationalspieler, als Wurstfabrikant, als Bayernpräsident? Als ein gerne provokativ auftretender Typ, der sich in seinem Erfolg suhlte, neoliberale Ansichten zum Besten gab und die Linken düpierte? Letztes Jahr hatte er noch getönt, dass Deutschland "ein Paradies" sei. Angeblich hat Hoeneß gerne Klartext geredet, beispielsweise letztes Jahr bei Jauch, dass höhere Steuern nichts bringen. Die Leute würden dann halt einfach auswandern - finanziell zumindest.

Dass eine höhere Besteuerung der Reichen schwierig ist, hat er nun selbst demonstriert. Wer viel Geld verdient, ist wahrscheinlich auch ein Zocker, wenn er nicht Erbe ist, zudem hat er Berater, die zeigen, wie die Steuerlast minimiert werden kann. Hoeneß hat, wie ungezählte andere seinesgleichen, zwar gerne vom "Paradies" Deutschland profitiert, aber wohl auch geglaubt, er zahle sowieso schon zu viel Steuern und eigenmächtig die Steuerschuld auf die für ihn angemessene Größe reduziert. Dumm nur, dass diejenigen, die Lohnsteuer zahlen, dabei die Deppen sind, aber die Mehrzahl der Bürger darstellen, denen der Staat direkt in die Hosentasche greift.

Steuerhintergehung ist natürlich Diebstahl am Staat, aber noch eine lässliche Sünde, zumal der Staat noch eine Absolution gewährt. Wer sich selbst anzeigt, kann damit rechnen, straffrei auszugehen, was ansonsten bei keinem anderen Vergehen möglich ist. An der (finanziellen) Spitze der Gesellschaft tummeln sich Ehrenmänner und bislang noch wenige Ehrenfrauen, die man auch schon alleine deswegen anders als jeden gemeinen Ladendieb behandeln muss, weil die Begleichung der Steuerschuld mit einem kleinem Aufpreis immerhin Bares in die Staatskassen spült. Selbst wenn man um eine Strafe nicht herumkommt, wird sie in aller Regeln zur Bewährung verhängt. Da können andere Kriminelle lautstark von Diskriminierung sprechen.

Sind wir erschüttert, weil Hoeneß sich nun als Steuerbetrüger entlarvt hat, der bis zuletzt einzig darum bemüht war, seine Schäfchen möglichst zahlreich ins Trockne zu bringen? Er hat angeblich auf das deutsch-schweizerische Steuerabkommen gesetzt, das aber die schwarz-gelbe Regierung nicht im Bundesrat durchbringen konnte. Erst als die Möglichkeit verschwand, anonym und mit relativ wenig Geld verschont zu werden, griff Hoeneß zum Mittel der Selbstanzeige, die Strafverschonung verspricht. Die hat er eingeräumt, sein Haus wurde im März durchsucht, was bedeutet, dass offenbar Unklarheit über seine Angaben besteht. Die Rede ist von ein paar Millionen hinterzogener Steuerschulden. Wie viel Geld in der Schweiz von ihm geparkt wurde und woher es stammt, ist nicht bekannt.

Hat sich der Mann nun disqualifiziert? Sollte er als Präsident des FC Bayern zurücktreten? Er will jedenfalls nicht. Und warum sollte er auch? Franz Beckenbauer ist ein leuchtendes Beispiel. Der hat sich zur Schonung seines Vermögens einfach nach Österreich abgesetzt. Dumm nur, dass Hoeneß nicht selbst nach Österreich, in die Schweiz oder in eine andere Steueroase gezogen ist. Vielleicht muss man ihm das anrechnen?

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