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Science News
Nachrichten aus der Wissenschaft

Homöopathie nicht besser als Placebos

09.04.2014

Eine große Überblicksstudie der australischen Gesundheitsbehörde stellt fest, dass der wissenschaftliche Beweis für die Wirksamkeit homöopathischer Mittel weiter aussteht

Wirken homöopathische Mittel? Die australische Gesundheitsbehörde NHMRC ist der Frage, die große Streitigkeiten auch unter Medizinern, in der Öffentlichkeit, in Foren und in Familien auslöst, anhand klar definierter wissenschaftlicher Kriterien in einer evidenzbasierten Studie nachgegangen. Sie ist zu einem Ergebnis gekommen, das die Wirkungsfrage dorthin verweist, wo sie für viele Skeptiker ohnehin angesiedelt ist: in der privaten Halbwelt des religionsgleichen Glaubens.

Die nach genau definierten Sorgfaltskriterien wissenschaftlichen Arbeitens und des Gegenchecks von Ergebnissen unternommene Überprüfung vorliegender Studien ergab, "dass kein verlässlicher Nachweis für Krankheitsbilder gefunden wurde, bei denen sich homöopathische Mittel als wirksam erwiesen".

Der Anlass der Übersichtsstudie, die für Laien verständlich geschrieben ist, weil sie sich an eine größere Öffentlichkeit richtet, ist der Trend zur Alternativmedizin, der auch in Australien längst weit verbreitet ist. und das öffentliche Gesundsheitssystem betrifft. Daher entschied man sich, der Wirkung homöopathischer Mittel systematisch auf den Grund zu gehen.

Dazu wählte man drei Vorgehensweisen: erstens die Untersuchung vorliegender Studien, die Überprüfung von Informationen und Publikationen homöopathischer Interessensgruppen und drittens klinische und amtliche Berichte aus anderen Ländern.

Die künftige Auseinandersetzung über die Wirkung homöopathischer Mittel wird an dieser Studie nicht vorbei kommen, weil die Kritik, die hier unternommen wird, sich zum einen an konkreten Krankheiten orientiert und zum anderen Studien, die sich mit der homöopathischen Wirkung beschäftigen, an nachvollziehbaren Standards misst. Design, Methodik, Fragestellung, Stichprobe, Validität der Kontrollgruppen, Schlüsse etc. wurden genau angeschaut. Das Ergebnis ist ein Verriss:

„Die Studien zur Homöopathie waren allgemein von schlechter Qualität. Für manche Krankheiten heißt dies, dass keine Folgerung darüber zu treffen ist, ob die homöopathischen Mittel wirksam waren oder nicht.“

Studien, die nahelegen, dass die Behandlung mit homöopathischen Mitteln doch irgendwie wirksamer waren als ein Placebo, waren allesamt "nicht verlässlich". Sportlich gesehen könnte man das als Verteidiger der Alternativmethoden auch als Herausforderung verstehen, den Gegenbeweis zu liefern, der noch aussteht.

Immerhin räumten die Studienautoren ein, dass sie die jüngst veröffentlichten Studien noch nicht einbeziehen konnte, da sie mit immerhin 176 in den vergangenen Jahren erschienenen Fall-Studien und 58 Übersichtsstudien beschäftigt waren.

Nach Stand der Dinge, wie ihn der NHMRC-Bericht widergibt, können Personen, die an beispielsweise an Asthma, Migräne oder Kopfschmerzen leiden, deren Kinder Durchfall haben, die sich erkältet haben oder Schmerzen nach dem Zahnarzt, lediglich auf einen Placebo-Effekt hoffen.


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