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Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Hurrikan Sandy schwemmt Wall-Street-Spionagezentrum an die Oberfläche

14.11.2012

Polizeibehörden, Wall-Street-Banken und Immobilieninvestoren saßen einhellig zusammen in Lower Manhattan und überwachten das Finanzzentrum.

Wer das Vorgehen der New Yorker Sicherheitsbehörden gegen die öffentlichen Manifestationen der Occupy-Wall-Street-Bewegung verfolgt hat, der konnte manchmal den Eindruck gewinnen, dass sich die Behörden ungewöhnlich schwer hatten übertölpeln lassen. Anders als man es von Protestaktionen in Europa kennt, waren die Einsatzkräfte häufig zur rechten Zeit am richtigen Ort, was den Protestierern mitunter große Schwierigkeiten machte.

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Wie der Wall Street-kritische Blog "Wall Street On Parade" berichtet, hatten sich die "Stakeholder" des Finanzdistrikts tatsächlich schon vor Jahren gegen derartige Protestaktionen abgesichert und an der Öffentlichkeit vorbei ein State-of-the-art-Überwachungszentrum eingerichtet

Das Überwachungszentrum soll auf einen Deal zurückgehen, den der New Yorker Polizeichef Raymond Kelly im Zusammenhang mit einem Immobiliengeschäft mit einem Goldman Sachs Direktor geschlossen hatte. Laut von der Börsenaufsicht SEC veröffentlichten Dokumenten verpflichtete Kelly dabei das NYPD für Lower Manhattan, "ein umfassendes Sicherheitskonzept zu entwickeln und zu implementieren. (…) Eine Komponente des Plans ist eine zentralisiertes Koordinationszentrum, das Raum für vollzeitbeschäftigte Repräsentanten von Goldman Sachs und anderen Stakeholdern bietet."

Daraus wurde die "Lower Manhattan Security Initiative", die am Lower Broadway das Lower Manhattan Security Coordination Center errichtete, wo mehr als 2.000 private und annähernde 1.000 Kameras des NYPD angeschlossen wurden, davon mindesten 700 in Midtown, dem wichtigen Finanzzentrum südlich des Central Park. Das Zentrum verfügte dabei über die neuesten Video-Analysetools zur Verfolgung von Personen oder der Kontrolle von Kfz-Nummernschildern, wofür in den letzten fünf Jahren mindestens 150 Millionen Dollar an öffentlichen Geldern geflossen sein sollen, die wohl besser in den Hochwasserschutz geflossen wären.

Bürgermeister Michael Bloomberg und der Polizeichef hatten sich trotz etlicher Anfragen auf Basis des Informationsfreiheitsgesetzes geweigert, Details darüber bekannt zu geben, was da genau gemacht wird, wer tatsächlich Spionagepersonal abgestellt hat und was es die Öffentlichkeit kostet. Allerdings hatte man einmal einen ausländischen Pressedienst zu einem Presse-Briefing geladen und Fotos zugelassen, was etwa Goldman Sachs, Citigroup, JPMorgan Chase, die Federal Reserve sowie die Bank of New York als Stakeholder entlarvte.

Der wichtigste Stakeholder sei in Lower Manhattan allerdings Brookfield Office Properties, denen neben einer Reihe von Gebäuden auch der Zuccotti Park gehört, der von Occupy Wall Street besetzt war, bis er von der Polizei brutal geräumt wurde. Anders als die meisten privaten Geschädigten dürften die Stakeholder wenigstens kaum Probleme haben, Geld für die Sanierung des meterhoch überschwemmten Spionagezentrums aufzutreiben, das sie sich dann vermutlich auch noch von der Stadt werden refundieren lassen.

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