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Nachrichten aus Kultur und Medien

"Ich bin der Bombenleger"

14.03.2013

Luxemburger Geheimdienstprozess wird immer bizarrer

Der Prozess um die ruchbar gewordene Verwicklung von Luxemburger NATO-Kreisen von "Stay Behind" in die dortige Bombenserie in den 1980er Jahren fördert nahezu täglich skurrile Begebenheiten ans Licht. Hätte die absurde Story jemand als Drehbuch bei Filmproduzenten eingereicht, hätte das Sekretariat vermutlich längst Weisung erhalten, weitere Einsendungen dieses Autors ungeöffnet entweder zu entsorgen oder an die ARD-Tatort-Redaktionen weiterzuleiten.

Der vormalige "Super Flic" Ben Geiben, der die Luxemburger Spezialeinheit "Brigade mobile de la Gendarmerie" (BMG) aufgebaut hatte, wurde nun von einem Zeugen unter Eid belastet. So soll Geiben dem Zeugen gegenüber 1986 damit geprahlt haben, für die Bombenserie verantwortlich zu sein. Geiben war zu diesem Zeitpunkt überraschend aus dem Dienst ausgeschieden und hatte eine Anstellung als Sicherheitsmann beim Disney-Konzern in Orlando erhalten. Später leitete er die Operationen bei "Eurodisney". Der Zeuge wurde stutzig, als er kurz nach dem Treffen las, dass zwischen Tampa und Disney World in Orlando eine Hochspannungsleitung gesprengt worden sei. Exakt derartiges trieb in dieser Zeit das Großherzogtum um. Geiben dementierte jedoch diese Woche.

Wie das Luxemburger Wort berichtet, belastet auch ein deutscher Zeuge die Luxemburger Schlapphüte, die für die Einbrüche und Sprengstoffdiebstähle in den fraglichen Jahren verantwortlich sein sollen: Ein ehemaliger Mitarbeiter der Verwaltung des Bundestags, ein Duisburger Historiker, sagte aus, dies habe ihm sein inzwischen verstorbener Vater anvertraut - ein BND-Mann. Luxemburg sei der ideale Ort für solche Übungen von GLADIO-Saboteuren gewesen, weil das Land im Jahr 1984 die Haager Konvention zum Verbot von Sprengfallen noch nicht unterzeichnet hatte. Die Attentate hätten die Bevölkerung terrorisieren und politisch auf einen Rechtsruck einschwören sollen.

Der Vorwurf politischer Sozialsteuerung durch inszenierten Terrorismus wird vor allem vom Schweizer Historiker Daniele Ganser erhoben. Wie in Luxemburg kam es in den 1980er Jahren auch im restlichen Westeuropa zu einer Reihe von bis heute ungeklärten Anschlägen, die mysteriösen linken Gruppierungen angelastet wurden und den Ruf nach einem starken Staat befeuerten. Das Staatsgeheimnis um das Luxemburger Staatstheater könnte man vermutlich ausgerechnet im Archiv des KGB überprüfen, denn der verstorbene BND-Mann war offenbar Doppelagent gewesen.

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