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Illegale Geschäfte bewahren Deutschland vor der Rezession

14.11.2014

Im dritten Quartal wurde trotz der Einbeziehung von Drogenhandel, Schmuggel und Prostitution nur ein Minimalwachstum von 0,1% registriert

Es sieht nicht gut aus, doch nach Berechnungen der Statistiker sei Deutschland doch nicht zurück in die Rezession gerutscht. Nachdem die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal erstmals wieder geschrumpft war, wurde preis-, saison- und kalenderbereinigt im dritten Quartal nun ein Minimalwachstum von 0,1% geschätzt, hat das Statistische Bundesamt (Destatis) mitgeteilt. „Die deutsche Wirtschaft hat sich in einem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld als stabil erwiesen“, meinen die Statistiker.

Positive Impulse kamen nach vorläufigen Berechnungen im dritten Quartal 2014 vor allem von den privaten Haushalten, die ihre Konsumausgaben kräftig erhöhten.

Hier spiegeln sich steigende Löhne und niedrige Zinsen wieder. Zudem habe der Außenhandel die deutsche Wirtschaft gestützt, weil die Exporte stärker zugelegt hätten als die Importe. Ausfuhren nach Russland gehen wegen den Sanktionen stark zurück, das gilt aber auch für andere Schwellenländer wie Brasilien. Dafür sei die Nachfrage aus den USA und Großbritannien zuletzt aber merklich gestiegen.

Ein schwächerer Euro zeigt sich hier, den die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Geldschwemme nach unten prügelt. Destatis weist auch darauf hin, dass die Berechnung nun auf den neuen Konzepten des "Europäischen Systems der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung" (ESVG) durchgeführt wurde, auf das die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) im Rahmen der VGR-Revision 2014 im August/September des Jahres umgestellt wurde. Und so ist eingetreten, was Telepolis schon vorhergesagt hatte: Dass über das Einrechnen von Prostitution, Schmuggel und Drogenhandel nun in Europa "Wachstum" geschaffen wird.

Mit der neuen Berechnung gelten nun auch Militärausgaben nicht mehr als Kosten, sondern werden als Investitionen gewertet. Und wegen der nachträglichen Neuberechnung wurden deshalb auch die Destatis-Angaben für das zweite Quartal verbessert. So soll nun die Wirtschaft im zweiten Quartal nicht mehr um 0,2% geschrumpft sein, sondern nur noch um 0,1%. Nach der früheren Berechnung hätte die deutsche Wirtschaft also bestenfalls stagniert oder wäre in die Rezession abgerutscht.

Die Zahlen sind auch deshalb sehr schlecht, da im dritten Quartal auch die äußert günstigen Energiepreise wie ein enormes Konjunkturprogramm wirken. Der Ölpreis für ein Barrel Öl ist gerade sogar unter die Marke von 80 Dollar gefallen und bewegt sich damit auf dem niedrigsten Standseit vier Jahren. Doch trotz allem kommt Deutschland nur auf ein aufgehübschtes Wachstum von 0,1%.

Dass weiter große Verunsicherung auch wegen den Russland-Sanktionen herrscht, zeigt sich daran, dass die Investitionen weiter rückläufig sind. Nach den vorläufigen Berechnungen von Destatis wurde im dritten Quartal vor allem in Ausrüstungen erheblich weniger investiert als im Vorquartal. Damit setzt sich der Trend fort, denn schon im Vorquartal waren die Investitionen ebenfalls eingebrochen.

Und da die Zeichen im Osten der Ukraine wieder auf Krieg stehen, wird die Debatte um die Ausweitung der Sanktionen wieder aufflammen und dann wird Russland wohl mit neuen Gegenmaßnahmen reagieren. Das Land hat auf die neuen Sanktionsverschärfungen im September nicht mit den angedrohten Gegenmaßnahmen reagiert.

Angesichts der Tatsache, dass vor allem der nationale Konsum dafür gesorgt hat, dass die deutsche Wirtschaft nicht wieder klar ins Minus rutschte, kann nun jeder die Schelte der Mehrheit der Wirtschaftsweisen beurteilen. Denn die raten der Bundesregierung, bei den Ausgaben auf die Bremse zu steigen.

Nur Peter Bofinger fordert, die günstige Lage auf den Geldmärkten zu nutzen, um produktive Investitionen zu tätigen. Der Rest der Gutachter kritisiert dagegen, dass der Mindestlohn im nächsten Jahr dafür sorgen wird, dass niedrige Einkommensgruppen mehr Geld zum Konsum zur Verfügung haben, womit die Wirtschaft gestützt wird.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im viel gescholtenen Frankreich ist dagegen im dritten Quartal stärker gewachsen als das in Deutschland. Für viele kam das Wachstum beim Nachbar um 0,3% überraschend. Die Statistikbehörde Insee gab bekannt, dass Frankreich damit so stark gewachsen ist, wie zuletzt im zweiten Quartal 2013.

Auch in Frankreich legten die Ausgaben für den Konsum zu, allerdings mit einem Plus von 0,2% weniger stark als noch im Vorquartal (+0,3%). Zugenommen haben die Ausgaben des Staates um 0,8%. Auch in Frankreich wirkte sich ein relativ schwacher Euro belebend auf die Exporte aus, die um 0,5% zugelegt haben. Im Vorquartal waren sie sogar um -0,1% gesunken.

Auch in Frankreich sind wegen der Unsicherheit die Ausgaben für Investitionen weiter um 0,6% zurückgegangen. Im Vorquartal waren es sogar noch 0,8%. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone wirkte sich allerdings die Neuberechnung sogar negativ aus. Hatten die Statistiker bisher für das zweite Quartal noch eine Stagnation angegeben, wurde die nun nachträglich nach unten korrigiert. Nach den neuen Angaben ist trotz der Einbeziehung der illegalen Geschäfte ins BIP die Wirtschaft in Frankreich im zweiten Quartal minimal nun um 0,1% geschrumpft.



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