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In Deutschland gab es seit 2000 die geringste Zunahme der Arbeitskosten in der EU

13.12.2011

Die vom IMK vorgelegten Zahlen machen noch einmal deutlich, wie es zur Schieflage in der Eurozone kommen konnte

Der Erfolg der deutschen Wirtschaft beruht darauf, dass zwar die Gewinne steigen, nicht aber die Löhne. Die Arbeitskosten in der Privatwirtschaft sind 2010 nur um 0,6 Prozent gestiegen, in der EU jedoch um 1,7 Prozent und in der Eurozone um 1,6 Prozent, berichtet das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK). Damit gleicht sich Deutschland mitten im Wirtschaftswachstum den Krisenländern Irland und Griechenland an. Nur in den beiden Ländern gab es eine geringere Steigerung als in Deutschland.

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Grafik: IMK

Den Trend gibt es schon seit einem Jahrzehnt und erklärt, warum Deutschlands Wirtschaft boomte, während gleichzeitig die Kluft zwischen Arm und Reich stärker als in anderen Industriestaaten gewachsen ist, wie die OECD unlängst berichtete. Wie schon lange konstatiert, kommt in Deutschland der Wohlstand bei den meisten Menschen nicht mehr an, weil die Umverteilung nicht mehr funktioniert. Auch deswegen ist die Eurozone in eine Schieflage geraten. Zwischen 2000 und 2010 wuchsen die Arbeitskosten in Deutschland durchschnittlich um 1,7 Prozent jährlich, in der Eurozone jedoch um 2,8 und in der EU um 3,3 Prozent.

Noch liegt Deutschland bei den Arbeitskosten mit 29,10 Euro pro Arbeitsstunde in der EU an siebter Stelle. Das ist eine mittlere Position, von einem Hochlohnland zu sprechen, trifft keineswegs mehr zu, zumal sich der Abstand zu den Ländern mit höheren Arbeitskosten - Belgien, Luxemburg, Schweden, Dänemark, Frankreich und die Niederlande, so das IMK, vergrößert hat. Finnland, Österreich, Irland und Italien haben etwas geringere Arbeitskosten. Während also die Arbeitskosten in Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern geringer gestiegen sind, aber deutlich über den meisten südeuropäischen (12-20 Euro) und mittel- und osteuropäischen Ländern liegen (14 Euro in Slowenien, 7 in Polen), ist gleichzeitig die Arbeitsproduktivität gewachsen, was sich an den Lohnstückkosten zeigt. Seit 2000 bis 2011 waren diese in Deutschland nur um 6,8 Prozent gestiegen, in der Eurozone jedoch um 21,3 Prozent.

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Bild: IMK

Für Gustav Horn, den wissenschaftlichen Direktor des IMK, liegt im boomenden Export und der stagnierenden Binnennachfrage, beides auf die geringe Lohnentwicklung zurückgehend, eine wesentliche Ursache für die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in der Eurozone: "Viele Arbeitgebervertreter, Ökonomen und Politiker sind sehr einseitig auf eine schwache Entwicklung der Arbeitskosten - und damit auch der Löhne - fixiert. Die aktuelle Krise zeigt uns: Das ist ein Rezept mit schweren Nebenwirkungen."

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