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Internationales Kapital verlässt Asien

21.08.2013

Nachdem die private Verschuldung in den asiatischen Emerging Markets massiv zugenommen hat bahnt sich nun eine Trendwende an, die die westlichen Exporteure schwer treffen wird und sogar zu einer neuen Asienkrise eskalierten könnte

Seit sich die Anzeichen verdichten, dass China auf ein Phase mit schwächerem Wachstum zusteuert und aus den USA erste Andeutungen kommen, die superlockere Geldpolitik werde ein wenig gestrafft, verlagern internationale Investoren ihre Gelder mit zunehmender Dynamik aus den "aufstrebenden Volkswirtschaften" ("Emerging Markets") insbesondere Asiens zurück in die entwickelten Märkte. So flossen laut Bloomberg Investoren heuer zwar 155,6 Milliarden Dollar in börsennotierte Aktienfonds, die in den westlichen Industriestaaten investieren, aus asiatischen EM-Fonds wurden hingegen 7,6 Milliarden Dollar abgezogen.

Die meisten Analysten sind sich mittlerweile einig, dass die entwickelten Märkte mittlerweile bessere Chancen bieten als die bis vor kurzem noch boomenden asiatischen Märkte, was nun offenbar das internationale Kapital in Bewegung setzt. So verlor der Asien-Aktienindex MSCI Asia Pacific in den letzten drei Monaten neun Prozent, während der markbreite US-Index S&P 500 nur 1,2 Prozent und der Stoxx Europe 600 nur 2,4 Prozent abgaben. Allein in der letzten Woche rutschte der indische Aktienmarkt um fünf Prozent ab, in Thailand waren es sechs Prozent, während der indonesische Aktienmarkt sogar zehn Prozent abgab. Gleichzeitig haben in den letzten drei Monaten so gut wie alle asiatischen Währungen (außer dem chinesischen Yuan und dem japanischen Yen) gegenüber dem Euro zehn oder mehr Prozent verloren, wobei offenbar noch kein Ende abzusehen ist.

3.900 Milliarden Dollars in die Emerging Markets geflossen

Nachdem in den letzten vier Jahren 3.900 Milliarden Dollar an internationalen Geldern in die Emerging Markets geflossen sind und die asiatischen Notenbanken (ohne China und Japan!) seit 2009 laut Citigroup rund 900 Milliarden Dollar an Währungsreserven angehäuft und dafür das Äquivalent in einheimischer Währung in Umlauf gebracht haben, zeigen sich mittlerweile die üblichen Folgen des billigen Geldes.

So kam es in den letzten vier Jahren zu einem erheblichen Anstiegs der öffentlichen und besonders der privaten Verschuldung, die mit teilweise dramatischen Immobilien-Preissteigerungen verbunden waren, die in Hong Kong, Singapur und Südkorea bereits zu deutlich sichtbaren Immobilienblasen geführt haben. Gleichzeitig stiegen die Einzelhandelsumsätze in Emerging Asia zwischen 2008 und 2012 jährlich im Schnitt um 8,8 Prozent, was die Exporteure aus den USA, Japans und der Eurozone darüber hinweggeholfen hat, dass die Zuwächse hier im Schnitt nur bei 0,9 Prozent gelegen hatten.

Bankkredite auf den Niveaus von vor der Asienkrise von 1997/98

Mittlerweile nähern sich die Bankkredite im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung wieder den Niveaus von vor der Asienkrise von 1997/98 oder haben sie teilweise sogar schon übertroffen. So ist etwa die Haushaltsverschuldung in Malaysia und Indonesien seit 2008 um 20 Prozent des BIP angewachsen, in China waren es 13 Prozentpunkte, während es in Thailand und den Philippinen auch nicht viel besser aussieht.

Obwohl laut Citigroup die Konsumkredite (ohne Immobilien) in Asien (ohne Japan) in den letzten fünf Jahren um 67 Prozent auf insgesamt mindestens 1,66 Billiarden Dollar angestiegen sind, erscheinen die absoluten Verschuldungsniveaus nach silkroadassoc.com - abgesehen von Südkorea, Hong Kong und Singapur, wo die Haushalte mit 85%, 61% bzw. 74% des BIP verschuldet sind - noch immer vergleichsweise niedrig. Das allerdings nur, wenn sie in Relation zum Sozialprodukt betrachtet werden, denn im Verhältnis zu den verfügbaren Einkommen liegen sie in Asien mittlerweile um bis zu 30 Prozent höher als in den USA.

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Schulden in Prozent des BIP (2012). Grafik: Mike Every/silkroadassoc.com

Während die Notenbanken mittlerweile überall in Asien (abgesehen von Japan) dazu übergegangen sind, ihre Geldpolitik zu straffen, um Kapitalflucht und Währungsabwertungen entgegenzutreten, und das Auslandskapital zurückgeht, sinken auch die Exporteinnahmen. So hatte Malaysia gerade für April gegenüber dem Vorjahresmonat einen überraschenden 3,3prozentigen Rückgang der Exporte bekannt geben, was wohl zum ersten Handelsbilanzdefizit seit 16 Jahren führen wird. Die Exporte der Philippinen, deren Handelsbilanz schon länger negativ ist, gaben im April im Vorjahresvergleich sogar um 12,8 Prozent nach, Indonesien und Thailand verzeichneten ebenfalls Rückgänge und steigende Handelsbilanzdefizite, während China gerade den niedrigsten Exportzuwachs seit einem Jahr verbuchte.

Wenn aber weder Exportüberschüsse, noch eine expansive Geldpolitik oder ausländische Gelder für eine weitere Kreditexpansion zur Verfügung stehen, dürften wohl nicht nur sehr rasch diejenigen Kreditnehmer ans Licht kommen, die ihre Kredite bislang aus neuen Krediten bedient oder damit überteuerte Vermögenswerte finanziert haben, sondern es müsste auch die kreditfinanzierte Nachfrage nach Konsumgütern aus den westlichen Industriestaaten versiegen. Zieht die Nachfrage im Westen nun also nicht entsprechend an, könnte es mit dem ohnehin zaghaften Aufschwung in den USA und der Eurozone also rasch vorbei sein.

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