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Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Iran: Apostatenblogger soll Todesstrafe drohen

16.02.2013

Ex-Pasdaran-Chef Mohsen Rezai spricht von einem "Tsunami des Atheismus", der das Land erfasst habe

Der iranischstämmigen Menschenrechtsaktivistin Mina Ahadi und dem Humanistischen Pressedienst (HPD) zufolge droht dem Perser Mohammad Reza Purshajari, der unter dem Pseudonym Siamak Mehr ein Blog betrieben haben soll, die Todesstrafe. Angeblich wurde Purshajari bereits am 21. September 2010 verhaftet und inhaftiert. Im Gefängnis soll er gefoltert und derart schlecht behandelt worden sein, dass Ärzte zur Verlegung in ein Krankenhaus rieten, die bislang verweigert wird.

Hintergrund der Prozesse gegen ihn, zu denen das iranische Regime keine Angaben macht, ist möglicherweise ein Text, in dem zu lesen gewesen sein soll, "30 Jahre Lebenserfahrung" in einem Staat, "der von den schiitischen Klerikern absolutistisch und mit Mafiamethoden beherrscht wird", hätten den Autor gelehrt, dass der Islam eine "satanische Lehre der Feindseligkeit und der Zerstörung" sei und "Korruption, Kriminalität und Verbrechen bedeute".

Trotz drakonischer Gesetze scheint die Abwendung von abrahamitischen Gottesvorstellungen auch im Iran nicht auf Einzelfälle begrenzt: Das dem Ex-Pasdaran-Chef und heutigen Achmadinedschad-Rivalen Mohsen Rezai nahestehende Portal Baztab kritisierte unlängst, "Atheismus", "Aberglauben" und "Sektengläubigkeit" hätten die persische Jugend "wie ein Tsunami […] erfasst und mitgerissen". Auslandskorrespondenten der Deutschen Welle hatten bereits 2007 überrascht konstatierte, dass sich die Moscheen "in der Islamischen Republik Iran leeren […], während sie sich in den säkularen Regimen und Monarchien der arabischen Welt füllen".

Die bedeutendste unter den neuen Religionen, die Nutznießer dieser Entwicklung im Iran sind, ist der "Interuniversalismus" – ein esoterischer Glaube, dass alles mit Bewusstsein erfüllt ist. Weil er sich nicht explizit als Gegensatz zum Islam gibt, wurde der Interuniversalismus anfangs von Regime geduldet und erst dann als "falsche Mystik" verfolgt, als er sich zur Massenbewegung entwickelte. Auch evangelikale Kirchen profitieren angeblich davon, dass der schiitische Staatsislam bei großen Teilen der iranischen Jugend ein bestenfalls käsiges Image hat: Nicht überprüfbaren Angaben der Organisation Open Doors nach stieg die Zahl der offenen und heimlichen Christen im Iran (abzüglich der Armenier und Assyrer) in den letzten 40 Jahren von etwa 200 auf 370.000.

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