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Nachrichten aus Kultur und Medien

Iran: Blogger zu 19 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt

29.09.2010

Hoffen auf Berufung im Fall Hossein "Hoder" Derakhshan

Niemals zuvor sei so eine lange Gefängnisstrafe für einen iranischen Blogger ausgesprochen worden, kommentiert Reporter ohne Grenzen das drakonische Urteil eines iranischen Gerichts im Fall Hossein, "Hoder", Derakhshan (siehe dazu Wer Regimekritiker ist, bestimmen wir!).

Zu fast zwanzig Jahren Gefängnis, 19 Jahre und sechs Monate, sowie einer Geldstrafe von 30.000 Euro wurde der früher wohl berühmteste iranische Blogger nach Angaben iranischer Medien am Dienstag von einem Gericht verurteilt. Vor Tagen wurde noch spekuliert, dass "Blogfather" Derakshan mit der Todesstrafe zu rechnen hatte. Vorgeworfen wurde Derakhshan eine krude Mischung der typischen Anklagen, denen sich unliebsame kritische Geister vor Gerichten immer wieder stellen müssen: Blasphemie, Propaganda gegen die islamische Regierung, Kollaboration mit feindlichen Regierungen und das Betreiben einer obszönen Webseite.

Die Auflistung der Anklagepunkte stammt von der iranischen Website Mashreg News, übersetzt und übermittelt wurde sie in einem Bericht von Al-Jazeera. Beobachter mutmaßen, dass die Strafe auch im Zusammenhang mit einem Israel-Aufenthalt Derakshans im Jahre 2006 steht. Derakshan hatte versucht, die Reise in seinem Blog als Brücke zwischen den beiden Kulturen zu präsentieren. Für Iraner ist es allerdings verboten, Israel zu besuchen.

2008, als er trotz Warnungen von Bloggern und wohl wider besseren Wissens in den Iran reiste, wurde Hoder festgenommen, seither gab es nur spärliche Nachrichten über sein Schicksal. Da Derakhshan auch kanadischer Staatsbürger ist, hat sich nun auch die kanadische Regierung eingeschaltet und das Urteil heftig kritisiert. Als völlig unakzeptabel und nicht zu rechtfertigen, bezeichnete sie die Strafe. Al-Jazeera zitiert Außenminister Cannon mit der Forderung, den Blogger freizulassen.

Dass Hoder freikommt, ist nicht unwahrscheinlich, weil laut Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Fars News Agency gegen das Urteil Berufung eingelegt werden kann - das kann als Spielraum für Verhandlungen zwischen den Regierungen gedeutet werden. Doch zeigt der Fall der kanadisch-iranischen Journalistin Zahra Kazemi, die 2003 in einem iranischen Gefängnis durch Folter ums Leben kam, auch die Grenzen solcher Bemühungen, auch damals hatte die kanadische Regierung versucht, die Fotografin freizubekommen.

Hossein Derakhshan, dem es nach Informationen seiner Familie schlecht geht, ist laut der Organisation "Reporter ohne Grenzen" Opfer von internen Machtkämpfen zwischen Geheimdienst und den Revolutionären Garden. Mit einer Online-Petition, die am Mittwoch-Mittag rund 7.600 Personen unterzeichnet haben, plädiert Reporter ohne Grenzen für die Freilassung Hoders.

In der vergangenen Woche wurde die Bloggerin Shiva Nazar-Ahari (siehe "Feindschaft gegen Gott") zu einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren verurteilt, auch hier ist Berufung möglich.

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