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Nachrichten aus Kultur und Medien

Kardinal Lehmann und die Islamhasser

01.08.2011

Update: Der Bischof von Mainz steuerte ein Vorwort zu einem Buch bei, in dem auch Michael Mannheimer, der zum bewaffneten Kampf aufruft und den Bürgerkrieg kommen sieht, über die Christenverfolgung in islamischen Ländern schreibt

Gleich in im Vorwort des im Lit Verlag erschienenen Buches " Christenverfolgung in islamischen Ländern" wird eine Gleichsetzung des Islams mit den Verbrechen des Nationalsozialismus angedeutet. Dem muslimischen Raum wird eine "Befreiung", ähnlich wie 1945 Deutschland durch eine Supermacht, und die "Umerziehung" der Menschen gewünscht.

Das erste Kapitel ist ein Text des ehemaligen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz. Es handelt sich um die sechsseitige schriftliche Version seiner Rede "Lage der christlichen Minderheiten in der Welt" bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Mainz im Oktober 2008. Die Aufführung des Bischofs im Autorenverzeichnis und der Hinweis auf die Textübernahme mit freundlicher Übernahme des Verfassers lassen im Dunkeln, ob Kardinal Lehmann die Endversion des Buches vor der Freigabe seines Textes gelesen hat. Sein Beitrag dürfte aber den Anschein der Seriosität und die Verkaufszahlen des Buches steigern.

Der Vorwurf, der Islam sei per se gewalttätig und versuche mit Gewalt und Terrorismus die Weltmacht zu erlangen, zieht sich durch das gesamte Buch, wobei sämtliche rassistischen und islamophoben Klischees bedient werden. Dies wundert auch bei einem weiteren Blick ins Autorenverzeichnis nicht. Michael Mannheimer kommt auf 82 Seiten mit drei Kapiteln ausführlich zu Wort. Der Blogger hat online zum bewaffneten Kampf gegen die angebliche Islamisierung Deutschlands aufgerufen ( Auch hierzulande rufen Gleichgesinnte von Breivik öffentlich zum Bürgerkrieg und zum bewaffneten Kampf auf) und unterstützt auf seinem Blog den Internetpranger "Nürnberg 2.0".

Seine einseitigen Ausführungen zur Christenverfolgung in islamischen Ländern führen ihn zur Warnung vor der Islamisierung und Scharisierung Europas durch muslimische Asylanten. Dass Mannheimer nach eigenen Angaben auch einer der Sprecher der //initiative1683.com/die-sprecher/: "Initiative 1683" ist, die sich wieder in Zeiten der Kreuzzüge wähnt, passt zu dieser Ideologie. Auf YouTube sind einiger seiner Vorträge auf rechtspopulistischen Demonstrationen und Veranstaltungen von Islamhassern veröffentlicht, unter anderem von der "Bürgerbewegung Pax Europa" (BPE).

In Kapitel 8 des Buches folgen kulturkonservative und kulturrassistische Handlungsempfehlungen der Herausgeber Jürgen Bellers und Markus Porsche-Ludwig für die Leser in Deutschland. Es beginnt mit dem Aufruf zu Protesten nach dem Vorbild der Stuttgart21-Gegner. Die Kritik richtet sich aber gegen die Kirchen, die Politik sowie den üblichen Feindbildern der neuen Rechten: 68er und Linksliberale.

Update: Am Montag erklärte der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann, dass die Freigabe des Textes von ihm ohne Kenntnis der übrigen Texte des Buches "Christenverfolgung in islamischen Ländern" erfolgte. Darüber hinaus unterstreicht der Kardinal, dass er nur für den Text seines eigenen Artikels verantwortlich sei, zu dessen Inhalt er stehe. Seine eindeutige Position zum Islam und zu anderen Weltreligionen sei in vielen Publikationen dargelegt - unter anderem in dem Band "Weltreligionen - Verstehen, Verständigung, Verantwortung". Das Büro des Bischofs von Mainz teilte am Dienstag auf Anfrage mit, dass Kardinal Lehmann trotz Urlaubs mit dem Cheflektor des LIT-Verlags telefoniert habe und es keine weitere Auflage mit seinem Vorwort geben werde. Dies dürfte die Reaktion auf einige im Bistum Mainz eingegangenen Beschwerden sowie die Medienberichte zum Blogger Michael Mannheimer sein.

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