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Kinder und die Angst vor einer abweichenden Auffassung

26.10.2011

Studie: Wenn die Mehrheitsmeinung von gleichaltrigen Gruppenmitgliedern anders als die eigene Wahrnehmung ausfällt, tendieren Vierjährige dazu, sich ihr anzuschließen

Ist es Angst vor dem Stress, den eine abweichende Auffassung auslösen kann, oder bloßes Nachahmen, was bei Kindern nichts Ungewöhnliches wäre, oder vielleicht eine Variation der Kooperationsbereitschaft? Forscher der Max Planck Institute für Evolutionäre Anthropologie und Psycholinguistik haben herausgefunden, dass Vierjährige sich an der Mehrheitsmeinung von gleichaltrigen Gruppenmitgliedern orientieren.

Den 96 Kindern aus 24 unterschiedlichen Kindergartengruppen wurden Bücher mit Tierillustrationen vorgelegt mit 30 Doppelseiten. Darauf waren jeweils auf der einen Seite eine Tierfamilie und auf der anderen ein einzelnes Mitglied der Tierfamilie abgebildet. Die Kinder wurden in Gruppen zu viert aufgeteilt. Ein Kind dieser Gruppe erhielt, ohne dies zu wissen, eine andere Abbildung des einzelnen Tiers aus der Familie. Während die anderen drei Gruppenmitglieder beispielsweise ein Muttertier zu sehen bekamen, sah das vierte ein Tierkind. Bei der Beantwortung der Frage zeigte sich allerdings, dass sich Kinder, die das andere Bild sahen, tendenziell der Aussage der anderen anschlossen, so Studenleiter Daniel Haun:

"Das Kind mit dem anderen Buch wurde mit der - aus seinen Augen - falschen, aber einstimmigen Aussage der drei gleichaltrigen Gruppenmitgliedern konfrontiert. Von 24 Kindern bestätigten 18 mindestens einmal die Wahrnehmung der anderen, obwohl sie wussten, dass die Mehrheitsmeinung falsch war."

In einer zweiten Versuchsanordnung sollte das Verhalten noch differenzierter untersucht werden. Dazu wurden die Kinder durch An-und Abschalten einer Lampe dazu aufgefordert,. Ihre Antwort entweder laut bekannt zu geben oder leise auf die richtige Abbildung eines Tieres zu zeigen. Im ersten Fall bekamen alle seine Antwort mit; im zweiten Fall nur ein erwachsener Beobachter. Anscheinend fiel es dadurch vielen Kindern leichter, bei ihrer Wahrheit zu bleiben. Nur 8 von 18 schlossen sich hier der Mehrheitsmeinung an. Bei der laut gegebenen Antwort taten dies demgegenüber 12 Kinder. Die Forscher schließen daraus, dass sie einem Konflikt ausweichen wollten und lieber dem Druck der "Peer Group" nachgaben, aus sozialen Gründen.

"The current study shows that children as young as four years of age are subject to peer pressure and that they succumb to it, at least to some extent, out of social motivations."

Das Forscherduo Haun und Tomasello, das diese Studie durchführte, hatte in diesem Jahr mit einer anderen Untersuchung darauf aufmerksam gemacht, dass Kinder - bei einem Vergleich zu Schimpansen - bei gleichen Bedingungen deutlich mehr Wert darauf legten, bei eine Problemlösung mit anderen zusammenzuarbeiten, als das Problem alleine zu lösen.

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