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Kinderarmut nimmt über EU-Sparprogramme massiv zu

16.02.2013

Die Caritas warnt davor, dass in Griechenland, Spanien, Italien, Portugal und Irland "verlorene Generationen" heranwachsen

Immer mehr Kinder in Europas Krisenländer kommen hungrig zur Schule, stellt die Caritas in Krisenländern wie Griechenland, Spanien, Italien, Portugal und Irland fest. Die Studie von "Caritas Europa", mit der die Auswirkungen der Krise in Europa auf Kinder untersucht wurden, kommt zu dramatischen Ergebnissen. Mit Bezug auf Daten der EU-Kommission stellt die katholische Hilfsorganisation fest, dass im Durchschnitt in diesen Ländern schon ein Drittel aller Kinder in Armut lebt oder an den Rand zur Armut gedrängt wurde.

Es wachse nun mitten in Europa eine Generation von schlecht ernährten jungen Menschen mit pessimistischer Stimmung und fatalen Zukunftsaussichten heran, stellte der Zusammenschluss von 49 Organisationen aus 46 Ländern fest. Jorge Nuño-Mayer hofft nach der Veröffentlichung der Studie darauf, dass die Beschreibung, wie sich die Situation verschlechtert hat, zum Richtungswechsel führt. Die Politik müsste "geeignete Maßnahmen ergreifen, mit der Krise umzugehen", kritisiert er die bisherige Krisenpolitik.

Aus den Ländern, denen im Rahmen von Rettungsmaßnahmen massive Sparauflagen gemacht wurden, gibt es inzwischen etliche Beispiele dafür, dass für Kinder oft nicht einmal mehr ausreichend mit Nahrung versorgt werden. So mussten in Portugal über Weihnachten viele Schulkantinen geöffnet bleiben, weil Kinder sonst nichts oder zu wenig zu essen bekommen hätten. Tausende Schüler haben damit über die Ferien wenigstens eine Mahlzeit erhalten. In Griechenland sollen nun in Schulen Coupons für Milch, Früchte und andere Lebensmittel verteilt werden, hat das Bildungsministerium angekündigt. Spektakuläre Fälle hatten immer wieder für Aufregung gesorgt, weil entkräftete Kinder in der Schule in Ohnmacht fielen.

Die Caritas-Studie macht für die Verarmung der Kinder vor allem die Sparprogramme verantwortlich. So litten in Griechenland und Spanien 2011 - neuere Zahlen liegen nicht vor - schon 30 Prozent der unter 18-Jährigen unter Armut oder stünden an der Armutsgrenze. Das sei eine Zunahme seit 2005 um vier Prozentpunkte. In Portugal und Italien wurde dieser Wert nur noch knapp verfehlt, während in Irland schon fast 40 Prozent der Kinder von Armut betroffen sind.

Sparprogramme schlagen vor allem auf die Kinder durch

Die harten Sparprogramme haben die steigende Arbeitslosigkeit oft zusätzlich angeheizt, mit der oft eine dramatische Verarmung einhergeht, der gleichzeitig bei den Milliardären ein unermesslicher Reichtum gegenübersteht . Eine Sozialhilfe nach deutschem Muster gibt es meist nicht. In Spanien erhalten schon zwei Millionen Menschen keinerlei staatliche Hilfe mehr, weil das Arbeitslosengeld aufgebraucht ist und auch das in der Krise eingeführte Sozialgeld von 400 Euro nach sechs Monaten ausgelaufen ist. In Griechenland sind schon fast 27 Prozent der Bevölkerung arbeitslos und in Spanien über 26 Prozent. Die Situation hat sich im vergangenen Jahr in allen Krisenländern deutlich verschärft, was in der Caritas-Studie noch nicht abgebildet ist.

Für die frühere Europaparlamentarierin Deirdre de Burca zeigt der Bericht, dass "Kinder das größte Armutsrisiko haben." Für die Irin und Direktorin für Sozialpolitik von Caritas Europa ist klar, dass Armut besonders hart auf die Kinder durchschlägt. Sie litten besonders unter der Streichung von Sozialleistungen, Kürzungen von Arbeitslosengeld, Steuererhöhungen und Maßnahmen, die Familien Kaufkraft entziehen. Diese Maßnahmen hätten "extrem negative Auswirkungen auf das Leben schutzbedürftiger Menschen", resümiert die Caritas. Viele seien darüber "erstmals in die Armut getrieben worden".

Die Sparprogramme seien gescheitert, meint auch die Caritas mit Blick darauf, dass nicht nur die Armut galoppiert, sondern die Krisenländer bei der Reduzierung des Defizits nicht wirklich vorankommen. Gefordert werden eine neue Prioritätensetzung und eine gleichmäßige Verteilung der Lasten der Schuldenkrise. Eindringlich warnt die Organisation: "Das könnte nicht nur ein Rezept für eine verlorene Generation in Europa sein, sondern für mehrere verlorene Generationen." Die EU müsste gegensteuern, weil Studien zeigten, dass Armut die schulischen Leistungen schwäche und sich später negativ im Arbeitsleben auswirke. Längst mache sich massive Hoffnungslosigkeit bei jungen Menschen in Krisenländern breit. In Griechenland und Spanien sind schon knapp 60 Prozent von ihnen ohne Job. In Portugal, Italien und Irland zwischen 30 und 40 Prozent. Gefordert wird von der EU, dass sie eine Führerschaft übernimmt und Maßnahmen gegen Kinderarmut und Jugendarbeitslosigkeit ergreift.

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