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Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Kriegserklärung gegen den "alten Erzfeind" -

10.11.2012

Die Neue Rechte möchte "massentauglich" werden

Hoffnungen auf jugendlichen Zustrom sind bei der Neuen Rechten in der Bundesrepublik ausgebrochen - eine "elektrische Aufladung" erwartet man bei dem rechtsintellektuellen Organ "Sezession" von den Aktivitäten des französischen "Bloc Identitaire", dessen Militante kürzlich die Aufmerksamkeit der Medien eroberten; sie besetzten das Dach einer Moschee in Poitiers, nach eigenem Anspruch als "Kriegserklärung an Multikulti".

Der Tatort hat geschichtssymbolische Bedeutung, im Jahre 732 gewann hier Karl Martell eine Schlacht gegen die Mauren. Eine der "Rettungen des Abendlandes" , so will es die Überlieferung, fand damals statt. Die "Identitären" in Frankreich, unter dem spartanischen Lambda-Zeichen auftretend, verstehen sich als Anstifter einer "europäischen Jugendbewegung". Sie haben Pop und Blog und Flashmob für sich entdeckt, wollen die "direkte Aktion", das Eindringen in den "öffentlichen Raum". In einer Videobotschaft, die inzwischen auch in der Bundesrepublik ihre Fans gefunden hat, legen sie ihr politisches Kalkül offen: Aus dem "indigenen" Teil der Jugendgeneration sollen gerade die sozial Abgehängten oder Deklassierten gegen die "Landnahme" der Orientalen, die "Islamisierung Europas" mobilisiert werden. "Zertanz die Toleranz" heißt eine ihrer Parolen.

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Endlich wieder eine klare Frontlinie, freut sich ein Autor der deutschen "Sezession", Carl Schmitt im Hinterkopf; gegen "den alten Erzfeind Islam" geht es mit jugendlichem Kampfgeist. Und die Berliner Wochenzeitung "Junge Freiheit" applaudiert Wohlweislich halte sich die "Identitäre Bewegung" politphilosophischen Debatten fern, konzentriere sich "auf beherztes Handeln", spreche jene Generation an, die "von der politischen Klasse fremden Okkupanten ausgeliefert ist".

Hierzulande erhalten die "Identitären" Unterstützung vor allem durch die "Blaue Narzisse", eine Onlinezeitung "für Schüler und Studierende". Zehntausend Aufkleber für ein "Identitäres Europa" hat sie schon unter die Leute gebracht, zum "Kampfpreis" von 10 Euro für 100 Stück, "massentauglich" will die Agitation sein. In Österreich und in der Bundesrepublik hat der französische "Bloc identitaire" erste Ansteckungserfolge, vor allem elektronische. Die deutsche Gruppe der "Identitären" hat die Feinderklärung ausgedehnt - "Weder Kippa noch Palituch" heißt es auf einem ihrer Flyer. Mit Rassismus, so die "Identitäre Bewegung", habe man selbst nichts im Sinn; rassistisch sei vielmehr die "fremdvolkliche" Immigration in das abendländische Terrain, Nationen seien lebensfähig nur als "Abstammungsgemeinschaften".

In die Nähe des historischen Fasschismus möchten die "Identitären" nicht gerückt werden, sie seien Verfechter des "Ethnopluralismus", womit gemeint ist: Die Türken beispielsweise sollen in der Türkei bleiben, Frankreich gehört den Franzosen, Deutschland den Deutschen. Den echten Franzosen, den echten Deutschen. Und die haben natürlicherweise keine Neigungen zum Koran, auch nicht zur Thora. Also muss man sehen, wie man die Fremdvolklichen und Fremdgläubigen wieder hinausbekommt aus europäischen Landen, das werden die "Identitären" uns gewiss noch sagen, den Krieg haben sie ja schon erklärt.

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