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Krise trifft die Entwicklungsländer besonders hart

09.03.2009

50 Billionen US-Dollar soll die Krise bereits vernichtet haben, die Entwicklungsländer werden immer abhängiger von Entwicklungshilfe.

Nach der Weltbank ist die gegenwärtige Krise die schwerste seit 80 Jahren. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg werde die Weltwirtschaft schrumpfen, die Industrieproduktion könnte um 15 Prozent geringer ausfallen als 2008. Nach Schätzungen der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) hat die aktuelle Finanzkrise bereits 50 Billionen US-Dollar, fast 40 Billionen Euro, an Geldwerten vernichtet. Das entspräche dem Welt-BIP eines Jahres.

Die Krise könnte damit eigentlich wieder die in den letzten Jahrzehnten immer weiter wachsende Kluft zwischen Reichen und Armen verkleinern, indem das überschüssige Kapital verschluckt wird. Zwischen 2003 und 2007 ist das Finanzvermögen weltweit viel stärker als das BIP gewachsen, was zum Aufgehen der Schere mit beigetragen hat. Aber auch in der Krise trifft es nun die Ärmsten wohl am stärksten, obgleich diese nicht an den Börsen mitgezockt haben.

Die ADB prognostiziert für die asiatischen Länder einen Rückgang des BIP um bis zu 2,5 Prozent, gleichzeitig könne die Inflation um bis zu 3 Prozent ansteigen. Zugleich können die Entwicklungsländer keine oder keine so großen Konjunkturpakete machen wie die reichen Länder. Zwar ist die Frage, was diese bewirken, aber sie verstärken vermutlich den Einbruch des Welthandels.

Die Weltbank warnt in ihrem 22093316~menuPK:34463~pagePK:34370~piPK:34424~theSitePK:4607,00.html: Bericht für das G 20-Treffen in London ebenfalls, dass die Entwicklungsländer schwer getroffen werden. Ihnen würden dieses Jahr 270-700 Milliarden Dollar weniger zukommen. Nur ein Viertel der ärmsten Länder habe überhaupt Mittel, um einen Anstieg der Armut zu verhindern. Es sei schnell eine globale Lösung erforderlich, so Weltbank-Chef Robert B. Zoellick, "um eine wirtschaftliche Katastrophe in den Entwicklungsländern zu verhindern". Die Folgen der Krise werden langfristig sein, betont die Weltbank.

In 94 der 116 Entwicklungsländer sei das Wirtschaftswachstum bereits eingebrochen. Dazu gehören 43 Länder mit der höchsten Arbeitslosigkeit. Wo die Wirtschaft am stärksten geboomt hat – in der Export-, Bau-, Minen- und Herstellungsbranche -, findet auch der stärkste Rückgang statt. Allein in China hat die Krise bereits 20 Millionen Arbeitsplätze gekostet. Da viele in schlechte bezahlte Arbeit wechseln müssen, wenn sie nicht gleich arbeitslos werden, sinkt das Einkommen und steigt die Armut.

Da die ärmsten Länder auch in hohem Maße vom Rohstofffexport abhängig sind, schlagen bei ihnen auch die sinkenden Preise stärker durch. Allgemein sind die Importe der OECD-Länder aus den Entwicklungs- und Schwellenländer erheblich zurückgegangen. Ebenso eingeknickt sind die Überweisungen der Arbeitsmigranten in ihre Heimatländer, wo sie eine erhebliche Rolle bei der Versorgung der Ärmsten spielen. Die Entwicklungsländer werden mit den Exporteinbrüchen immer stärker abhängig von Entwicklungshilfe, die aber von den reichen Ländern, die sich immer mehr verschulden, schon jetzt spärlicher fließt. Die Weltbank befürchtet zu Recht, dass hier weiter gespart wird.

Der Chefökonom und Vizepräsident der Weltbank, Justin Lin, fordert die reichen Länder auf, einen Teil der Gelder ihrer Konjunkturprogramme in die Entwicklungsländer zu leiten: "Natürlich müssen Gelder in die reichen Länder gepumpt werden, die im Epizentrum der Krise stehen, aber wenn man Infrastrukturinvestitionen in die Entwicklungsländer fließen lässt, wo sie Sperren für das Wachstum öffnen und Nachfrage schnell herstellen können, kann dies mehr bewirken. Das sollte ein wichtiges Element für die Wiederherstellung der Wirtschaft sein." Davon hat man freilich bislang noch nichts bei den reichen Ländern gehört, deren Regierungen es sich wohl kaum politisch leisten wollen, Steuergelder nicht direkt für die eigene Bevölkerung in die Wirtschaft zu pumpen.

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