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Lafontaine: "Das Finanzkasino muss geschlossen werden"

04.10.2008

Auch das Rettungspaket für das US-Finanzsystem sieht Lafonatine skeptisch. Es sei so "als machte man den Chef eines Drogenrings zum Beauftragten gegen den Rauschgifthandel".

Als Oskar Lafontaine 1999 als Finanzminister zurücktrat, was ihm heute vielfach angekreidet wird, feierte die Finanzbranche. Jetzt nimmt der zur Linken gewechselte ehemalige Ministerpräsident Saarlands und SPD-Kanzlerkandidat zumindest ein wenig Rache - an den Neoliberalen und an der Rot-Grün-Regierung Schröders. 1999 war er angetreten, so sagte er in einem Interview mit der Süddeutschen, um dem internationalen Finanzsystem "feste Wechselkurse zwischen den Währungen, Kontrolle des Kapitalverkehrs und Austrocknen der Steueroasen" zu verordnen, um eine Krise zu vermeiden, die jetzt eingetreten ist.

Heute ist seine Lösung das Verbot von "hochspekulativen Hedgefonds, dem Schrotthandel mit verbrieften Papieren und der Auslagerung von Risiken in Zweckgesellschaften". Die Märkte hätten gezeigt, dass sie nicht mehr funktionieren, das "Finanzkasino" müsse geschlossen werden, Sorgen vor Überregulierung seien nicht angebracht, sagt Lafontaine, der auch immer mal wieder einen guten Spruch vorträgt wie diesen: "Die Diktatur des Monetariats ist auch nicht besser als die des Proletariats." Banker, die ganze Staaten ins Wanken bringen, seien kriminell.

Zur Stützung der Hypo Real Estate sagte Lafontaine, dass sie zwar notwendig sei, aber dass man dann auch gleich die Bank hätte verstaatlichen müssen. Und er ist sich sicher, dass die Finanzkrise und das Handeln der Bundesregierung den Linken bei den Wählern Auftrieb gibt:

"Viele Arbeitnehmer, Rentner und Hartz-IV-Empfänger verstehen nicht, wenn die Regierung Merkel für die Pleitebanker sofort Milliarden bereitstellt, aber zugleich für Lohnzurückhaltung plädiert, eine Rentenkürzung nach der anderen beschließt und die Verbesserung sozialer Leistungen verweigert. Im Übrigen bin ich skeptisch. Die Tatsache, dass jene, die sich früher dem Diktat der Finanzmärkte unterworfen haben, jetzt anders reden, sagt noch lange nicht, dass sich wirklich etwas ändert. In den USA soll der Investmentbanker Hank Paulson als Finanzminister den Weg aus der Krise weisen. Das ist so, als machte man den Chef eines Drogenrings zum Beauftragten gegen den Rauschgifthandel."

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