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Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Lagarde zahlt keine Einkommensteuer

01.06.2012

Die IWF-Direktorin sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie ihre Ratschläge an die Griechen selbst nicht beherzigt

Vergangene Woche machte Christine Lagarde, die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) in einem Interview mit der britischen Tageszeitung The Guardian eine Bemerkung, die ihr viel Aufmerksamkeit einbrachte: Sie habe, so die Französin, mehr Mitgefühl für Kinder im Niger, die sich zu dritt einen Platz in einer Schule teilen müssen, als für die Griechen, die endlich Steuern zahlen sollten, um sich aus ihrer Misere zu befreien.

Die Aufforderung inspirierte den Guardian, dazu, einmal nachzusehen, was Lagarde selbst an Einkommensteuer zahlt. Das Ergebnis lautet: keinen Cent. Als Mitarbeiterin einer internationalen Organisation ist die 56-Jährige nämlich vom Steuerzahlen befreit, obwohl sie mit ihrem Jahresgehalt in Höhe von 467.940 Dollar und ihren zusätzlichen 83.760 US-Dollar Spesenpauschale mehr verdient als der US-Präsident (der sein Einkommen versteuern muss). Die Rechtsgrundlage dafür steht in Artikel 34 des Wiener Übereinkommens über diplomatische Beziehungen vom 18. April 1961, das von 187 der weltweit 194 Staaten ratifiziert wurde.

Bereits 1944, als der IWF auf der Bretton-Woods-Währungskonferenz gegründet wurde, hatte sich der britische Volkswirtschaftler John Maynard Keynes entsetzt über die "monströsen" Gehälter gezeigt, die für Funktionäre beschlossen wurden. Durchsetzten konnte er sich mit seinem Mäßigungsaufruf jedoch ebenso wenig wie andere Kritiker. Lagardes fünfjähriger Arbeitsvertrag, der nach dem Abschuss von Dominique Strauss-Kahn im letzten Jahr geschlossen wurde, sieht sogar eine regelmäßige Gehaltserhöhung zum 1. Juli jeden Jahres vor.

Befürworter solcher Monstergehälter argumentieren, diese wäre nötig, um internationale Wirtschaftsexperten anzulocken. Allerdings stammten die IWF-Funktionäre bislang überwiegend aus der Politik und wurden nicht in offenen Bewerbungsverfahren, sondern in Hinterzimmer-Absprachen auf den Posten gehievt. Die UMP-Politikerin Lagarde beispielsweise war vorher Nicholas Sarkozys Finanzministerin.

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