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Nachrichten aus Kultur und Medien

Leichenfälschung

29.05.2012

Wie die BBC ein Foto aus dem Irak-Krieg verwendete, um das Massaker von Hula zu illustrieren

"Wie kann ich weiter Entwicklungen in Syrien kommentieren? Ich glaube weder dem syrischen Regime noch den oppositionellen Gruppen im Exil: beide haben eine nachweisbare Bilanz an kriminellen Aktionen, Massakern und Lügen und Fabrikationen", schreibt der arabische Blogger Angry Arab als Einleitung eines Postings zum "Hula Massaker". Er habe seine Lektion gelernt.

Auch die BBC hatte am Wochenende eine Lektion dieser Art erfahren. Um einen Artikel zum Massaker in Hula zu bebildern, hat das britische Medium auf ein Foto zurückgegriffen, das einen Jungen zeigt, der über Reihen von verhüllten Leichen springt. Zwar wies die Bildunterschrift mit der bei solchen Meldungen üblichen Hinweis daraufhin, dass der Ursprung des Bildes unklar sei und doch legte sie nahe, dass es einen Zusammenhang mit den Ereignissen in Hula gibt: "This image - which cannot be independently verified - is believed to show bodies of children in Houla awaiting burial." Ebenso wie der Artikeltext ohne große kritische Einwände nahelegte, dass die Verantwortlichkeit für das Masdsaker unzweifelhaft auf Seiten der syrischen Regierung liegt.

Dann meldete sich der Fotograf Marco di Lauro und berichtigte. Er sei der Urheber dieses Fotos. Es stamme aus dem Irak und wurde im Jahr 2003 von ihm aufgenommen. Einen Zusammenhang mit den Ereignissen in Hula gebe es nicht: Dies sei ein ganz anderes Massaker. Man verwende sein Foto als Propaganda, empörte sich di Lauro:

"I went home at 3am and I opened the BBC page which had a front page story about what happened in Syria and I almost felt off from my chair."

Er sei erstaunt, dass ein großes News-Medium wie die BBC ihre Quellen nicht überprüfe und anscheinend jedes Bild veröffentliche, dass von irgendjemand, einem Aktivisten, einem Bürgerjournalisten oder von andere Seite, käme.

Das Bild wurde mittlerweile von der BBC entfernt.

Dass sich das Foto der BBC so schnell über den Twitterstrom verbreiten konnte, liegt, so spekuliert The Atlantik daran, dass es plausibel war. Tatsächlich? Dafür ist es fast zu plakatschön als Foto.

In einem Bericht über Hula, der aktuell im New Yorker erscheint, gibt es ein nicht unähnliches Foto von Leichenreihen, nur dass es offensichtlich keine Kinder sind und die Szene nicht so bühnenhaft inszeniert - als Quelle wird genannt: "amateur photograph taken Saturday, May 26, 2012. Via AP." Unsicherheiten bleiben.

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