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Luxemburger Bombenleger-Prozess: Erstaunliches Desinteresse der Ermittlungsbehörden

14.02.2014

Gendarmen und Geheimdienst ließen sich von 20 Bomben nicht beunruhigen

In dieser Woche wurden im Prozess um die Bombenserie in Luxemburg zwischen 1984 und 1986 wieder etliche Polizisten und Geheimdienstler vernommen. Inzwischen hatte sich eine Zeugin gemeldet und von der Darstellung ihres verstorbenen Vaters berichtet, der damals als Feuerwehrmann einen der Tatorte aufgesucht hatte. So habe der Vater einen der Gendarmen auf eine gut erhaltene Fußspur aufmerksam gemacht. Statt die Spuren zu sichern, habe der Angesprochene die Spur sogar selbst mit seinem Fuß verwischt. Auch dessen Vorgesetzter, der späteren Polizeichef Charles Bourg, habe dem Feuerwehrmann gegenüber nur unwirsch reagiert, als ob man die Täter gar nicht habe fassen wollen. Bourg war im Gerichtssaal wie etliche seiner Kollegen mehrfach durch erstaunliche „Gedächtnisschwäche“ aufgefallen, konnte sich angeblich nicht einmal daran erinnern, dass er am betreffenden Tatort gewesen sei. Bereits damals war Bourgs mangelhafte Spurensicherung beanstandet worden, ohne dass ihn dies zu stören schien.

Auch die Zeugenvernehmung von ehemaligen Angehörigen des Luxemburger Geheimdienstes SREL sorgte für Erstaunen. So sei der damalige Geheimdienstchef Charles Hoffmann der Auffassung gewesen, die Aufklärung der Attentate gehe den SREL nicht an, da diese nicht als politisch motivierter Terror, sondern als gesellschaftliche Angelegenheit einzuordnen gewesen zu seien. (Die mysteriösen Erpresserbriefe enthielten keine politischen Forderungen, sondern finanzielle, die allerdings wohl nicht ernst zu nehmen waren.) Die Vorsitzende Richterin wollte jedoch nicht so recht glauben, dass 20 explodierte Bomben den Geheimdienst des Großherzogtums nur insoweit interessiert haben sollen, als dass dieser Pressemeldungen ausschnitt und archivierte. Da eine der Bomben trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen beim EU-Gipfel in geringer Entfernung zum Tagungsraum der Außenminister geworfen wurde, ist das Desinteresse der für die Terrorabwehr zuständigen Geheimen nur schwer nachvollziehbar. Allerdings habe die Gendarmerie auch nicht mit dem Geheimdienst schon nicht kooperieren wollen. Erneut fiel der Name des offenbar nicht sehr umgänglichen Charles Bourg.

Unklar ist nach wie vor, ob der Geheimdienst doch gegen die Bombenleger aktiv war. So soll er bei einem Geldübergabeversuch eines der Autos der Spezialeinheit BMG mit einem roten Toyota beschattet haben. Dies berichtete vergangene Woche Polizist namens Kohnen. Dieser war damals lediglich Unteroffizier, hatte im Gegensatz zu seinen Vorgesetzten jedoch etliches an Detailwissen zu bieten und widersprach einigen Aussagen. So soll etwa die Luxemburger Stay Behind Gruppe nicht vom Geheimdienst, sondern von der Armee geführt worden sein. Ferner erstaunte seine Einlassung, dass das deutsche BKA den Justizpalast als nächstes Anschlagsziel prognosdiziert hätte - was trotz Überwachung eintraf. Für Mittwoch hatte das Gericht eine Gegenüberstellung Kohnens mit einem weiteren Zeugen geplant, jedoch ist der Zeuge seit dem Wochenende nicht mehr telefonisch zu erreichen gewesen, auch der Familie ist Kohnens Verbleib unbekannt. Kommenden Montag wird das Verfahren fortgesetzt – am dann 131. Verhandlungstag.

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