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Luxor 2013: Ein Gouverneur von der Gamaa al-Islamija

17.06.2013

Ägypten: Präsident Mursi ernennt ein Mitglied jener Gruppe zum Chef des Gouvernats, die 1997 einen brutalen Anschlag auf Touristen verübte

Die Gamaa al-Islamija verfolgte jahrzehntelang das Ziel, Ägypten zu einem islamistischen Staat zu machen. Zu diesem Zweck zeigte man sich auch bereit, brutale Mittel einzusetzen. Die Entwicklungen in Ägypten sind zurückhaltend formuliert gegenwärtig nicht so, dass das Ziel der Gamaa al-Islamija - wie Jahrzehnte zuvor - unerreichbar erscheint, auch ohne Bomben und Waffen. Auch politische Wege stehen jetzt auf ganz andere Weise offen.

Dies zeigt sich in der Ernennung des Gamaa al-Islamija-Mitglieds Adel Asaad al-Khayyat zum Gouverneur von Luxor. Eine Meldung, die nicht nur westliche Beobachter aufhorchen lässt. 1997 wurde die Gamaa al-Islamija einer internationalen Öffentlichkeit bekannt, durch einen Anschlag auf Touristen in Luxor: Ihre Mitglieder hatten Touristen vor dem Hatschepsut-Tempel beschossen und mit Messern angegriffen, 58 Touristen kamen dabei ums Leben, andere wurden verstümmelt. Der Anschlag zerstörte den Tourismus und schädigte die ägyptische Wirtschaft auf Jahre.

Eine Abspaltung der Gruppe wurde 1998 für die Ermordung des Präsidenten Anwar Sadat verantwortlich gemacht. 1999 schloss die Gamaa al-Islamija einen Waffenstillstand mit der damaligen Regierung. Seit 2001 wird sie von den USA als terroristische Vereinigung gelistet, der al-Qaida-Führer Zawahiri kündigte 2006 an, dass die Gamaa al-Islamija in engerer Verbindung zu seiner Organisation stehe, doch machten sich Persönlichkeiten in der Gruppe für einen anderen Kurs in der Gewaltfrage stark. Laut New York Times verzichtet die Gruppe seit 2003 auf die Anwendung von Gewalt und schloss sich nach der Absetzung von Mubarak dem politischen Prozess an.

Welche Auswirkungen die Ernennung des neuen Gouverneurs Adel Asaad al-Khayyat auf den Tourismus in Luxor haben wird, ist noch nicht abzuschätzen. In Luxor gibt es kein Strandleben, weswegen sich die Konflikte von Touristen mit den rigiden moralischen Anschauungen der Gruppe, dessen Sprecher den Gebetsfleck auf der Stirn trägt, in Grenzen halten dürften. Die Touristenströme nach Luxor haben seit 2011 allerdings deutlich abgenommen. Die Wiederbelebung des Geschäfts mit westlichen Touristen durch ein Mitglied der Gamaa al-Islamija, deren fundamentalistische Mitglieder nicht unbedingt ein ungebrochenes Verhältnis zu den Altertümer aus der vorislamischen Zeit haben, wäre eine Überraschung.

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