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Nachrichten aus Kultur und Medien

Massenabmahner will in die Politik

13.06.2012

Gangsterrapper "Bushido" gründet eine Partei

Dafür, dass man mit einer Partei, die die ganz Doofen anspricht, gute Geschäfte machen kann, gibt es in Deutschland besonders eindrucksvolle Beispiele. Nun kommt womöglich noch ein weiteres hinzu: Der berüchtigte Abmahnrapper Anis Ferchichi alias "Bushido", dessen Geschäftsmodell in Gefahr zu geraten scheint, nachdem mittlerweile sogar durch die Wahlerfolge der Piratenpartei aufgeschreckte CDU-Politiker den Abmahnmissbrauch kritisieren, kündigte nämlich auf Twitter an:

Guten Morgen meine Freunde gestern sind alle Informationen und Unterlagen zur Gründung einer Partei angekommen!!! Wir werden aktiv!!!

Dass der gerichtlich überführte Plagiator damit die besonders Doofen anspricht, zeigen Reaktionen seiner Fans, die darauf Stellungnahmen wie die folgende abgaben:

Ich bin leider nicht 18 sonst würde ich eure Partei wählen egal was ihr macht

Es dauerte nicht lange, bis der Gangsterrapper die deutschen Twitter-Charts anführte, was kommakundigere Kritiker wie Schlachtzeile zu der Bemerkung veranlasste: "Wenn das die Twitter-Elite sein soll, können wir das hier gleich Facebook nennen!" Auch der berühmte Herr Haekelschwein meinte resigniert, mit "Sido, Nuhr & Bushido" als die beliebtesten Twitterer wäre "jeder Dünkel gegenüber Facebookern hinfällig".

Die Aufmerksamkeit für "Bushido" resultiert allerdings nicht nur aus Fans, die ihrem Idol folgen und es "wählen egal was es macht", sondern auch aus einer Menge Spott. So spekulierte beispielsweise der Sechsdreinuller darüber, ob die Partei vielleicht "InFo-Partei" heißen wird – "wobei InFo für Integration und Fotzen steht". Und der Maschinenstürmer antizipierte als neue jugendsprachliche Ritualbeleidigung den Vorwurf "‏Deine Mudder ist Frauenbeauftragte in der Bushido-Partei".

Ein Teil der Aufmerksamkeit kommt von der FDP, für die sich "Bushido" vor Jahren einmal in der damals noch von Ulf Poschardt geführten deutschen Vanity Fair aussprach, weshalb man möglicherweise ein Wildern in der eigenen Wählerschaft fürchtet (auch wenn bis auf das der Welt am Sonntag verkündete Vorhaben "die Einstellung der Menschen zu ändern" noch keine politischen Inhalte bekannt sind). Besonders exponierte sich hier der ebenfalls nicht unumstrittene Vorsitzende der Jungen Liberalen Rheinhessen-Vorderpfalz, Tobias Huch. Nach dem "Bushido"-Fans seine Kritik erwartungsgemäß wenig eloquent quittierten, kam er zu folgendem Ergebnis: "Am Anfang stand die These: 'Bushido-Fans sind geistig beschränkt'. Am Ende kann ich sagen: q.e.d.".

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