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Nachrichten aus Kultur und Medien

Mekka und das schwarze Meer der religiös begründeten Homophobie

17.11.2012

Österreich: Menschenverachtende Äußerungen im Religionsunterricht

Die Beschneidungsdebatte, die auf Körperverletzung durch ein religiöses Ritual abhob, drängte eine Zeitlang in den Hintergrund, dass Religion vor allem auf dem geistigen, psychischen Feld wirkt und dort Schäden anrichten kann, die sich im Zusammenleben, privat wie gesellschaftlich, auf ungute, nicht selten verletztende Weise zeigen. Was als Menschenfreundlichkeit und dem Ziel des Friedens untergeordnet propagiert wird, wird von eifrigen Vertretern der Religion, die den „richtige Weg“ über alles Menschenmögliche stellen, nicht selten zu einer Anschauung verformt, die mit einer Humanitas nichts mehr zu tun hat.

Das Misstrauen gegenüber dem Religionsunterricht ist berechtigt. Wer etwa in Bayern in den 1970er Jahren auf dem Land aufgewachsen ist, dem wurde von manchem ältlichen Religionslehrer im Priestergewand noch eine Moral mitgegeben, die mit manchen Menschenrechten deutlicher im Konflikt stand als mit Ansichten der damals übermächtigen CSU. Ganz besonders, wenn es um Fragen der Sexualität ging...wobei eine merkwürdige moralische Parallelwelt herrschte, von der jeder wusste, der der Pfarrersköchin beim Wäscheaufhängen zusah, auch wenn der Vater der Kinder offiziell unbekannt war. Darüber wurden Witze gerissen, deren Bösartigkeit ihre Grenzen hatte. Anders allerdings, wenn es um Homosexualität ging. Da gings giftiger zu. Die moralische Verdamnis war "ihnen" sicher und damit auch manche Peiniger, die ihren Hass mit dem Gefühl befeuerten, damit doch auf der richtigen Seite zu stehen.

Man glaubt, das hätte sich allgemein im katholischen Milieu gebessert. Doch deuten Internetseiten wie kreuz.net, das dafür bekannt ist, Homosexuelle aus religiösen Gründen zu verdammen, darauf hin, dass sich solche Einstellungen halten. So hofft man darauf, dass es eine recht kleine Minderheit ist und der Pfarrer, den die SZ als Kreuz.net-Kommentator ausgemacht hat, ein Einzelfall ist. Ahnung und Misstrauen sagen anderes.

Jedenfalls kann man sich auch die katholischen Eiferer einst und jetzt vor Augen halten, wenn es um eine Meldung aus dem Religionsunterricht in Österreich geht, wo angeblich eine Verdammung von Homosexuellen ausgesprochen wurde, deren Menschenverachtung nicht nur von der Zeitung Standard als "verstörend" empfunden wird: "Homosexuelle sollten verbrannt werden" und "Das Schwarze Meer ist die umgedrehte Hölle, in der sie zu Tausenden liegen" soll eine Islamlehrerin ihren Schülern gesagt haben. Die Nachricht des Standard machte in der vergangenen Woche die Nachrichten-Runde.

Laut Reporterin leugnete die Lehrerin darauf angesprochen ihre Aussage "keinesfalls, möchte jedoch nicht zitiert werden". Unter den Schülern traf die Reporterin größtenteils auf Schweigen und Darüberhinwegsehen -" aus Angst, ihre Religion würde pauschal verurteilt". Die Schuldirektion mochte keine Konsequenzen daraus ziehen. Die islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich, IGiÖ, verurteilt die Äußerungen, macht aber geltend, dass die betroffene Lehrerin in einem ihr vorliegenden Schreiben die Beschuldigungen "kategorisch ablehnt". Man fordert nun eine Überprüfung.

In ihrer Stellungnahme versuchte die IgiÖ das Verhalten der Lehrerin laut Zeitungsbericht auch damit zu erklären, dass die Lehrerin nach ihrem jahrelangen Aufenthalt nahe Mekka, der Geburtsstadt des Propheten Mohammed, das "Gespür dafür verloren habe, was man in einer westlichen Gesellschaft sagen kann". In einer Berichtigung der Zeitung gegenüber machte die Glaubensgemeinschaft darauf aufmerksam, dass die oben zitierte Erklärung im Standard außerhalb des Kontextes verwendet worden sei und mit der konkreten Beschuldigung nichts zu tun hatte.

Die Standard-Reporterin schreibt von einem Einzelfall.

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