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Mit Soylent-Green-Argumenten gegen Stammzellenforschung

28.01.2012

In Oklahoma will ein Staatssenator der Nahrungsmittelindustrie nicht nur das Verwenden von abgetriebenen Föten, sondern auch das von Forschungsergebnissen verbieten

Ein grundlegendes Wahlkampfthema der republikanischen Partei in den USA ist, dass es zu viel Regulierung gibt. Allerdings fallen nicht nur Demokraten, sondern auch GOP-Vertreter immer wieder mit Gesetzentwürfen auf, die einer Erforderlichkeitsprüfung eher bedingt standhalten würden. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür liefert nun Ralph Shortey, ein Staatssenator aus Oklahoma. Er brachte letzte Woche einen Gesetzentwurf ein, der der Nahrungsmittelindustrie die Verwendung abgetriebener Föten verbietet.

Shortey musste auf Anfrage selbst zugeben, dass ihm keine Firmen in Oklahoma bekannt sind, die Embryos zu Speisen verarbeiten. Als Begründung dafür, warum solch ein Verbot trotzdem notwendig sei, verwies er auf Behauptungen der religiösen Gruppe Children of God for Life, denen zufolge mit Stammzellen an neuen Geschmacksrichtungen geforscht werden soll. Sein Gesetzentwurf, so der Staatssenator, schärfe das Bewusstsein der Öffentlichkeit für diese Problematik und bringe Firmen, die so etwas vielleicht vorhätten, von ihren Plänen ab.

Children of God for Life hatte der kalifornischen Biotechfirma Senomyx (die unter anderem für die Unternehmensgruppe PepsiCo arbeitet) im letzten Jahr vorgeworfen, für biologische Geschmackstests die Nierenzelle HEK 293 zu benutzen. Senomyx bestritt dies, musste aber zugeben, dass HEK 293 im Antrag zu einem 2008 erteilten Patent vorkommt. Die in der Forschung weit verbreitete Zelle, deren Name tatsächlich für "Human Embryonic Kidney 293" steht, wird jedoch seit langer Zeit nur mehr im Labor gezüchtet.

Dem Wortlaut des Gesetzentwurfs nach wäre in Oklahoma zukünftig nicht nur die Verwendung abgetriebener Embryos in Nahrungsmitteln verboten, sondern auch der Verkauf von Produkten, für deren "Erforschung oder Entwicklung" Föten verwendet wurden. Kritiker vermuten, darüber hinaus, dass die wahre Absicht Shorteys ein über einen Umweg vorgenommenes Verbot der Stammzellenforschung für Medikamente sein könnte. Einen Anhaltspunkt dafür bietet seine sehr breite Formulierung "Nahrung oder jedes andere für den menschlichen Verzehr vorgesehene Produkt", unter die ein Richter auch Arzneimittel subsumieren könnte.

Weil Shorteys Pläne schnell US-weite Medienaufmerksamkeit bekamen und selbst Tony Lauinger von der Anti Abtreibungs-Gruppe Oklahomans for Life nicht mit Belegen für Soylent-Green-Pläne aufwarten konnte, distanzieren sich mittlerweile auch Parteifreunde von Shortey. Staatssenator Brian Crain, der republikanische Vorsitzende des für den Entwurf zuständigen Human Services Committee, meinte, es gäbe Wichtigeres zu tun – und so wird der Vorschlag des Staatssenators wohl den Weg gehen, den schon mehrere andere seiner Gesetzentwürfe nahmen: Einer davon sollte das Recht zum Tragen von Waffen örtlich ausweiten, so dass sie unter anderem auch im Staatssenat und im Repräsentantenhaus von Oklahoma mitgeführt werden können; mit einem anderen (ebenfalls gescheiterten) wollte er die Bundesstaatsverfassung ändern und ein Berufungsgericht für Strafverfahren abschaffen.

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