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NSU: Keine Rußpartikel in der Lunge von Mundlos

07.04.2014

Obduktionsbericht verstärkt Zweifel an dem angeblichen Selbstmord

Weder in der Lunge von Uwe Mundlos, noch in der von Uwe Böhnhardt fanden sich Rußpartikel. Das geht aus dem Obduktionsbericht hervor, den der NSU-Untersuchungsausschuss des ThüringerLandtags vor zwei Wochen erhalten hat. Zwei Jahre hat es gedauert, bis der Obduktionsbericht den Abgeordneten zugänglich gemacht wurde.

Dabei hatte laut faz.net der in der Edathy-Affäre unter Druck stehende BKA-Präsident Jörg Ziercke im November 2011 behauptet, in der Lunge von Mundlos seien Rußpartikel gefunden worden. Mit dieser Behauptung untermauerten Zierke und die Ermittler die These vom Selbstmord.

Zum Verständnis: Bislang gehen die Behörden davon aus, dass Mundlos nach dem Banküberfall am 4. November 2011 in Eisenach zunächst Uwe Böhnhardt erschoss, anschließend ein Feuer in dem gemieteten Campingwagen legte und schließlich die Waffe gegen sich selbst richtete.

Zweifel an dem angeblichen Selbstmord gibt es aufgrund zahlreicher Ungereimtheiten viele
und seit geraumer Zeit. Doch langsam scheinen Zweifel auch aufseiten der politischen Mandatsträger aufzukeimen: "Damit ist es sehr zweifelhaft, dass Mundlos erst das Wohnmobil angezündet hat und sich dann erschossen hat", sagte Dorothea Marx (SPD), Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses, gegenüber dem Nachrichtenportal insuedthueringen.de. Erstaunlicherweise fand die Nachricht kaum Widerhall in den Medien.

Ein Artikel auf faz.net, der die fehlenden Rußspuren erwähnt, geht hauptsächlich auf die Aussage von Michael Menzel, dem Leiter der Polizeidirektion Gotha, ein, der damals die Ermittlungen vor Ort leitete und vor dem Ausschuss aussagte. Demnach sei erwiesen, dass aus der Pumpgun mit der Mundlos Selbsmord begangen haben soll, eine Patronenhülse aufgrund einer Stauchung der Waffe beim Herunterfallen aus der Waffe gefallen ist.

Menzel, so berichtet faz.net, habe den Mitgliedern des Ausschusses erklärt, dass Versuche ergeben hätten, die Patronenhülse sei ohne erneutes Nachladen herausgefallen. In der Faz wird das so beschrieben: "Menzel berichtete von Versuchen der Ermittler mit einer baugleichen Pumpgun. Diese hätten ergeben, dass sich das Munitionsfach nach dem Abschuss automatisch öffne, und die verbrauchte Patronenhülse dann im offenen Schacht nur noch an einem Ende durch eine halboffene Haltevorrichtung verwahrt werde. Eigentlich werde die Vorrichtung erst beim Nachladen entriegelt und damit vollständig geöffnet. Durch ein Stauchen der Pumpgun etwa durch den Aufprall auf dem Boden könne die verbrauchte Munition also auch ohne Nachladen aus dem Schacht gefallen sein. Wenzel hat eine Fotografie der im Versuch verwendeten Pumpgun zu den Akten des Ausschusses gereicht, die das offene Munitionsfach mit der Haltespange der Patrone zeigt." Als "Beweis" für seine Erklärung präsentierte Menzel dem Ausschuss eine Fotoaufnahme.

Im November des vergangenen Jahres hatte sich, wie Telepolis berichtete, der Waffenexperte Siegmund Mittag zu Wort gemeldet und dargelegt, dass die Behördenversion des Selbstmordes nicht stimmen könne.
Doch die Expertenmeinung scheint an den Ermittlungsbehörden vorbeizugehen.

Stattdessen interessiert sich die Bundesanwaltschaft nun mit Nachdruck für das Verhalten eines Opferanwaltes. Dieser hatte Unterlagen an den Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss weitergeleitet, weil der Ausschuss selbst darum kämpfen musste und muss, zentrale Unterlagen auf offiziellem Wege zu bekommen. Doch der Bundesanwaltschaft passte das Verhalten von Yavuz Narin nicht und die Karlsruher Behörde bat daher die Generalstaatsanwaltschaft in Thüringen um Unterstützung. Diese prüft nun, ob gegen Narin ermittelt werden soll.

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