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21.09.2014

Kritik des ARD-Programmbeirats wird totgeschwiegen

Die Berichterstattung über die Klatsche des ARD-Programmbeirats wegen der einseitigen Darstellung des Ukraine-Konflikts scheint sehr verhalten auszufallen. So greifen überwiegend Blätter im linken Spektrum das Thema auf, während die konventionelle Tagespresse, die kürzlich noch mit der Manipulation von TV-Zuschauerumfragen titelte, sich auf ihren Unterhaltungsauftrag beschränkt. Lediglich an Entscheidungsträger gerichtete Zeitungen wie das Handelsblatt wollen sich offenbar kein Defizit an Glaubwürdigkeit einhandeln. Während dem "Putin stoppenden" Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL vor zwei Jahren eine Verhaltensrüge des Programmbeirats gegen Talkmaster einen Beitrag wert war, sollen die Leser nicht mit "Putinverstehern" verunsichert werden.

Die bestrittene Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die uns jährlich rund 8 Milliarden Euro wert ist, scheint bei den Printkollegen kein nennenswertes Thema zu sein. Wenn das wilde Internet hochwertigere Informationen bietet als die konventionellen Medienhäuser, ist der mit der Online-Konkurrenz begründete Arbeitsplatzabbau nachvollziehbar. Die Kunde, dass die Selbstreinigungskräfte unseres teuren öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht völlig versagen, verbreitet sich allerdings in den Social Media wie ein Lauffeuer. Die Kosten von jährlich über 200 Millionen Euro, welche die gebührenfinanzierten Sender für ihre Internetauftritte aufwenden, waren zumindest für die Einrichtung der Leserforen sinnvoll investiert.

Das vom Bundesverfassungsgericht entwickelte Konzept eines allein der Bevölkerung verpflichteten öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist nicht aufgegangen. Nicht einmal die vorgeblich so selbstkritischen Journalisten des "Netzwerk Recherche e.V." haben zum Thema bislang eine Zeile gebloggt. Während die netzwerkenden Rechercheure zum Balken im eigenen Auge eisern schweigen, verweisen sie brav auf die Zensur in Putins Reich. Wäre es nicht ein reizvolles Medienthema gewesen, über die Schließung eines sich unerwünscht entwickelnden Online-Forums im eigenen Land durch ein Leitmedium zu berichten?

Aktive Journalisten überlegen es sich zweimal, ob sie ihre Karriere durch unerwünschtes Abweichen vom atlantisch eingetakteten Mainstream gefährden wollen. Wäre es nicht eine schöne Aufgabe für pensionierte Journalisten, sich ohne Berufsrisiko zu Wort zu melden? Da ein Großteil des GEZ-Aufkommens in die üppige Altersversorgung von Rundfunkjournalisten fließt, wäre ein entsprechendes Engagement auch nicht unbillig.

Das Misstrauen der politisch interessierten Bevölkerung in die Medien wirkt sich auch am Buchmarkt aus. So hat es das medienkritische Werk "Wir sind die Guten" der TELEPOLIS-Autoren Paul Schreyer und Mathias Bröckers zum Thema, das nahezu die gleichen Defizite wie der ARD-Programmbeirat beklagt, zwischenzeitlich auf Platz 10 der SPIEGEL-Bestseller-Liste (Paperback) geschafft.

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