e
Energie & Klima News
Neuigkeiten aus der Welt des Klimas und der Energie

Neue Notabschaltung im belgischen Tihange

13.08.2015

Dem altersschwachen Atomkraftwerk droht sogar die Atomaufsicht wegen Sicherheitsmängeln mit Abschaltung

Wieder einmal macht das belgische Atomkraftwerk Tihange von sich reden, dass auch in den letzten Wochen immer wieder auffällig wurde. In der Nacht zum Donnerstag kam es zu einer Notabschaltung in Block 3 des altersschwachen Atomkraftwerks, das kurz hinter der Grenze zu Deutschland steht. "Wir klären derzeit, was genau geschehen ist", erklärte ein Sprecher der Betreiberfirma Electrabel. Es habe natürlich keinerlei Gefahr für die Umwelt bestanden, betonte er. Der Reaktor sei sicher heruntergefahren worden, als es bei Wartungsarbeiten zu unvorhergesehenen Vorgängen kam.

Doch das ist nicht der einzige Vorfall, mit dem das Atomkraftwerk zuletzt wieder Schlagzeilen machte. Die Atomaufsichtsbehörde (AFCN) hatte erst Ende Juli eine "Anomalie" festgestellt. Die Sicherheitsbehörde verweist in der Mitteilung vom 6. August darauf, dass es in den "vergangenen sechs Wochen" mehrere derartige Vorfälle gegeben hätte. Und dabei bezog sich die AFCN nicht nur auf Block 3, sondern auch auf Block 1. Dabei hatte die Regierung die Laufzeit dieses mittlerweile 40 Jahre alten Reaktors um weitere zehn Jahre verlängert.

Die Vorgänge in dem Atomkraftwerk bei Lüttich sorgen auch im Land für immer mehr Kopfschütteln. Der belgische Sozialist Johan Vande Lanotte meint, die Atomkraftwerke des Landes seien dabei, sich in die am "wenig verlässlichsten" zu verwandeln. Wenn eine erneuerbare Energiequelle derartig viele Probleme zeigen würde, hätte die Regierung sie längst abgeschaltet, erklärte der ehemalige Wirtschaftsminister.

Er meinte dabei natürlich auch, dass kürzlich vier Beschäftigte vom Dienst suspendiert worden sind. Die Atomaufsicht reichte Klage bei der Staatsanwaltschaft ein und drohte dem Betreiber mit Schließung des Kraftwerks, wenn es nicht endlich zu einer "Sicherheitskultur" in dem Atomkraftwerk komme. Techniker und Ingenieure hätten waren im nuklearen Kontrollraum tätig und hätten ihre Arbeit nicht sonderlich ernst genommen. Die ohnehin atomfreundliche AFNC ordnete nun eine Nachschulung für alle 1000 Mitarbeiter an.

Tihange ist aber vor allem dafür bekannt, dass Block 2 zahllose Risse im Reaktordruckbehälter aufweist. Er ist seit gut einem Jahr abgeschaltet und immer neue Risse werden entdeckt. Einige der Risse sind bis zu 15 Zentimeter lang. Und obwohl in diesem Behälter die Kernspaltung abläuft, will die Regierung den Reaktor am Jahresende wieder hochfahren, wogegen es auch in Deutschland heftige Proteste gibt.

Doch Belgien hat ein Problem. Wegen der verfehlten Energiepolitik mussten angesichts abgeschalteter Atomkraftwerke schon im vergangenen Jahr Notfallpläne aufgestellt werden, weil die Stromversorgung nicht gesichert ist. Offenbar ist die Regierung deshalb bereit, enorme Risiken einzugehen und Tihange wieder hochfahren.

Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Guatemala in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige
Cover

Vergiftete Beziehungen

Männer oder Frauen: Wer hat recht?

Demokratie am Ende?

Wolfgang J. Koschnick analysiert den Niedergang der entwickelten parlamentarischen Parteiendemokratien. Das verbreitete Klagen über "die Politiker" und die allgemeine "Politikverdrossenheit" verstellt den Blick dafür, dass alle entwickelten Demokratien in einer fundamentalen Strukturkrise stecken.

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.