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Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Neue Weltordnung

26.03.2010

Chinas Chefbanker kann offenbar angesichts des EU-Krisengipfels nur den Kopf schütteln

Wie sich die Zeiten ändern: Während sich auf dem EU-Gipfel die Kanzlerin der Dumpinglöhne und Habdelsbilanzüberschüsse durchgesetzt zu haben scheint, bekommen Europas Spitzenpolitiker eine Belehrung aus China. In Hongkong hielt Mittwoch (Ortszeit) Zhu Min, der Gouverneur der Chinesischen Volksbank, eine Rede, in der er Griechenland "die Spitze des Eisbergs" nannte. Nahezu zeitgleich und als Bestätigung des Hongkonger Orakels wurde Portugal von den Ratingagenturen herunter gestuft, wodurch der Euro an den Devisenmärkten weiter verlor. Beigetragen zu den Verlusten der Gemeinschaftswährung haben aber auch die Kommentare Zhus, wie die Nachrichtenagentur AFP schreibt.

Zhu mahnte außerdem die EU-Staats- und -Regierungschefs, den Märkten endlich ein klares Zeichen zu geben, dass sie in der der Lage sind, die Krise in den Griff zu bekommen. Ob die von Merkel erzwungene Einbindung des IWF dieses Zeichen sein wird, ist eher zweifelhaft. In Griechenland wird es mit Sicherheit die sozialen Konflikte verschärfen und bisher hat es wohl auch noch kein Land gegeben, dass dank einer IWF-Austeritätskur wieder auf die Beine gekommen wäre.

Bemerkenswert an dem ganz Vorgang ist allerdings, wie ein Autor des Wall Street Journals staunend notiert, welche Beachtung Zhus Rede an den Märkten fand. Offenbar ist China mit seinen rund 2,4 Billionen US-Dollar an Devisenreserven inzwischen in einer Position, aus der es den Europäern Ratschläge erteilen kann. Während hierzulande die Konjunktur immer noch in der Talsohle steckt, hat die Volksrepublik ihre Wirtschaft längst wieder auf den gewohnten Wachstumsfahrt zurückgeführt, und zwar nicht mit irgendwelchen ökonomisch wie ökologisch kontraproduktiven Abwrackprämien, sondern unter anderem mit 200 Milliarden für erneuerbare Energieträger und Umweltschutzprojekte und weiteren 100 Milliarden für die Modernisierung der Bahn und der elektrischen Netze.

Und nicht nur China boomt, während die atlantischen Ökonomien weiter kriseln. Auch in anderen Schwellenländern zieht die Wirtschaft an. Der oben erwähnt Beitrag weist in diesem Zusammenhang auf ein interessantes Zeichen für dieses Auseinanderdriften hin: Eigentlich, so der Autor, sei am Mittwoch, als der Euro rutschte und der Dollar zulegte, zu erwarten gewesen, dass auch die Nachfrage nach US-Staatsanleihen steigen würde. Die seien sonst in Krisenzeiten ein sicherer Hafen. Doch derzeit sehen das Investoren offenbar anders und entwickeln mehr Interesse für Anleihen aus Schwellenländern. Zeichen einer neuen Weltordnung, wie der Kommentator von der Wall Street meint?

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