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Neues politisches Manifest der Hisbollah

Man sei, so Generalsekretär Nasrallah, von einer lokalen Widerstandsbewegung zu einer regionalen Macht geworden, die sich zu einem demokratischen Staat bekennt.

Am Montag verkündete der Generalsekretär der Hisbollah, Hassan Nasrallah, im Rahmen einer Pressekonferenz das neue politische Strategiepapier der schiitischen Organisation.

Das letzte Manifest dieser Art liegt bereits 24 Jahre zurück. 1985, mitten im libanesischen Bürgerkrieg, hatte sich Hisbollah mit einem "Offenem Brief an die Entrechteten" offiziell gegründet. Von der damaligen islam-revolutionären Rhetorik ist im neuen 32-seitigen Dokument kaum mehr etwas übrig geblieben.

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Hisbollah-Chef Nasrallah
Die ganze Welt habe sich in den letzten 24 Jahren verändert, erklärte Nasrallah die Notwendigkeit für eine Neufassung der politischen Richtlinien. Er wies auf die veränderte Ausrichtung hin, durch die aus der Guerilla-Truppe von 1985, die sich als Befreiuungsbewegung verstand, ein "regional player" wurde. "Der Widerstand hat sich von einem libanesischen zu einem arabischen und islamischen Faktor entwickelt, der heute einen internationalen Wert besitzt." Hauptfeinde wie anno dazumal seien aber immer noch Israel und vor allen Dingen auch die USA, deren Terror die eigentliche Wurzel allen Terrors in der Welt seien. Die Hegemonie-Strategie unter George W. Bush sei zwar gescheitert, aber die USA würden nicht aufhören, sich weiter einzumischen. "Die amerikanische Arroganz ließ unserer Nation und unserem Volk keine andere Wahl als den Widerstand", sagte der Generalsekretär, "für ein besseres Leben, eine humane Zukunft, Solidarität und Diversitaet in einer friedlichen Welt". Der Kampf gegen die "zionistische Entität" werde weiter gehen, so lange Israel noch Gebiete des Libanons besetzt hält. Dazu müsse man auch weiterhin militärisch aufrüsten.

Was den Libanon betrifft, machte Nasrallah ein deutliches Bekenntnis zu einem starken, demokratischen Staat, in dem es keine sektiererischen Auseinandersetzungen mehr geben sollte. Den früheren Kritikern und Gegnern von Hisbollah, zu denen der neue Premierminister Saad Hariri oder auch Walid Jumblatt zählte, wird dieses Bekenntnis gefallen haben. Besonders auch die Passage über die Verteidigung des Landes, bei der "der populäre Widerstand" und die nationale Armee in einer "integrierten Manier" zusammenarbeiten. Der bisherige Alleinanspruch Hisbollahs bei der Landesverteidigung ist verschwunden und schließt auch eine Integration der "Waffen des Widerstands" in die libanesische Armee nicht mehr kategorisch aus. Eine Position, die es der neuen libanesischen Regierung entsprechend leicht machte, erneut "das Recht von Hisbollah auf Widerstand" in der Regierungserklärung festzuschreiben.

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