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Nachrichten aus Kultur und Medien

Newsbeat und das Ende des Journalismus

22.03.2014

Ganz am Ende ist die Rolle der Humanoiden in der Publizistik noch nicht, aber Apps wie Newsbeat tragen erheblich dazu bei, die schrumpfende Branche weiter ins virtuelle Niedriglohnland abzudrängen

Das US-Medienunternehmen Tribune (Los Angeles Times, Chicago Tribune etc) stürmt derzeit ungebremst in die digitale Zukunft des Publishing und stellt die Smartphone-App Newsbeat (iOS und Android) vor. Aus Print-, TV- und Onlinekanälen stellt das Angebot die beliebtesten oder heißesten News zusammen und liest sie auf Wunsch als Text-To-Speech-Radionachrichten vor. Natürlich, sonst wäre es kein smartes Smartphone-App, kann man Newsmeldungen nach Geschmack und per Touch an- und abwählen, so dass die selbsttätig lernende App eine immer personalisertere Version des Weltgeschehens erzeugt.

Einerseits wird der Nutzer damit, ähnlich wie bei personalisierten Internetsuch-Ergebnissen und auf dem selben Weg personalisierten Webseiten-Werbeanzeigen, in einen Kokon von selbsterzeugter Eigenrealität gehüllt.
Andererseits wird damit ein neues Modell von Publizistik vorgestellt. Eines, das ohne Redakteure (und Chefredakteure) auskommt. Was die Newsnutzer zu sehen und hören bekommen, entscheiden dann die Nachrichtenkonsumenten selbst. Und ein paar unsichtbare Filter irgendwo auf den verschlungenen Wegen zwischen Realität und Nachricht.

Die Inhalte stammen ihrerseits von den Medien im Konzernbesitz, später dann womöglich aus der Blogosphäre, den Social Networks, am Ende von Software, die heute schon in der Lage ist, aus vorhandenen Fakten trockene Sachtexte zu generieren. Und das alles war eine Frage der Zeit. Die Informationsrevolution frisst also gerade ihre Berichterstatter, greift die Idee des schöpferischen Werks an, reduziert das zivilisationsstiftende Ideal der Urheberschaft auf maschinell massenvermarktbares Infotainment.

Die Folgen dieser Entwicklung sind tatsächlich nicht absehbar. Für Tribune als Unternehmen folgt die App der grundsätzlichen kapitalistischen Logik der gesteigerten Effizienz, gesenkten Produktionskosten und verbesserten Attraktivität. Für die Mitarbeiter dieser Branche dagegen ist die App der Incubus des Digitalen, der Anfang vom Ende einer goldenen Ära des Journalismus, der sich vom gedruckten über das äthergesprochene zum bildbewegten Wort entwickelte und hier achtlos in die Rohstoffeinfüllschächte einer globalen Informationsindustrie gekippt wird.

Natürlich wird sich die Erde weiterdrehen, schliesslich blieb sie auch nicht stehen, als klar wurde, dass niemand mehr einzelne Buchstaben mit spitzen Fingern aus Holzfächern angeln und zu buchstäblichen Textblöcken binden muss, damit eine Formulierung öffentlich werden kann. Ebenso wird das Zusammenfügen von Buchstaben auf einem Bildschirm in nicht allzuferner Zukunft nur noch in Ausnahmefällen von Menschen durchgeführt werden. Womöglich erst, wenn ich in der altersbedingten Grundsicherung angelangt bin. Sicher bin ich mir da allerdings nicht.

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