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Nun kämpft man auch in Tokio gegen die rücksichtslosen Fahrradfahrer

08.11.2011

Nach dem Erdbeben fahren offensichtlich mehr Menschen mit dem Fahrrad, sofort kommt es zu Konflikten mit der Polizei, die die Vorherrschaft des automobilen Verkehrs verteidigt

Die Probleme gleichen sich, wenn es um die Hoheit über die Straßen geht. Jahrzehnte lang haben die Kraftfahrzeuge den öffentlichen Raum beherrscht. Straßen sind nicht nur auf fahrende Autos ausgerichtet, auch die parkenden prägen das Bild des öffentlichen Raums. Nur wenige Räume werden für den Automobilverkehr gesperrt, in Städten wird in den Nebenstraßen die Geschwindigkeit herabgesetzt, in manchen Städten muss für die Einfahrt in die Zentren eine Maut bezahlt werden und werden die Parkplätze rar und teuer. Wie auch immer, Städte sind weiterhin wesentlich Autostädte. In ihnen werden Fußgänger und Radfahrer beiseite gedrängt und bestenfalls als Minorität geschützt. Weil aber die Gesellschaft allmählich eine andere wird, weil vor allem die Mobilität mit dem Fahrrad zunimmt, kommt es zunehmend zu Konflikten zwischen dem Auto- und dem Fahrradverkehr, die Fußgänger sind dabei oft das gefährdete Wild, weil sie am langsamsten und ungeschütztesten sind.

Auch in der Autonation Japan beginnt der Krieg zwischen den Autofahrern und den sich offenbar seit dem Erdbeben am 11. März mehrenden Fahrradfahrern. Die halten ähnlich wie bei uns die auf das Autofahren ausgerichteten Verkehrsregeln nicht wirklich ein, zumal sich jeder, der auf dem Fahrrad sitzt, als gefährdet betrachtet - und das mit Recht. Aus der Sicht des Radfahrers müssten die starren Regeln für den Autoverkehr auch nicht sein, denn er kann sich mit seiner geringeren Geschwindigkeit und der geringeren Größe an die Umstände anpassen, schnell ausweichen und bremsen. Allerdings scheint es in Japan noch sehr harmlos zuzugehen. In Tokio gab es zwischen Januar und September gerade einmal 1.251 Strafzettel für Fahrradfahrer, auch wenn es 1996 erst 62 waren. Aber es heißt in der Zeitung Asahi, dass die Polizei scharf gegen die rücksichtslosen Fahrradfahrer vorgehe. Meist geht es um mangelhafte Bremsen, aber auch darum, dass bei Ampeln Rot nicht beachtet oder beim Fahren mit dem Handy telefoniert wird. Dazu kommen Fahrradfahrer, die in falscher Richtung oder in Gruppen fahren. Immerhin will man nun Fahrradwege in Tokio einrichten.

Schön wird gesagt, dass sich die Fahrradfahrer in den Städten vermehrt hätten, um die Gesundheit zu fördern und Energie zu sparen. Zudem seien viele aufs Fahrrad umgestiegen, weil die Katastrophe vom 11. März die öffentlichen Verkehrsmittel lahm gelegt hätten. Unfälle, auch tödliche, hätten seitdem zugenommen. Die Polizei sieht offensichtlich in den Fahrradfahrern das Problem, weswegen sie auch Beamte in Unternehmen schickt, um die radelnden Angestellten über Verhalten, Unfallgefahren und Strafen aufzuklären. Dass man dies nicht mit den Autofahrern macht, ist vermutlich nicht nur Gewohnheit, sondern verdankt sich auch dem Umstand, dass die Autoindustrie deutlich mehr Umsatz macht als die Hersteller von Fahrrädern. Zum BIP tragen die Autos, selbst bei Unfällen, eben deutlich mehr bei, als die die Gesundheit fördernden und die Umwelt schonenden Fahrräder.

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