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Obama im Nahen Osten und das Verblassen von al-Qaida

04.06.2009

Bin Laden und Sawahiri wollen die Gunst der Stunde nutzen und sich wieder als Gegenspieler des US-Präsidenten inszenieren, aber es funktioniert nicht mehr.

Zum Besuch des US-Präsidenten Barack Obama im Nahen Osten, der das Ziel hat, ein neues Verhältnis zu den arabischen Ländern einzuleiten, gibt es wieder einmal begleitende Kommentare von al-Qaida. Sogar Osama bin Laden soll ein eine Audiobotschaft aufgenommen haben, die von As-Sahab und jetzt von dem Sender Al-Dschasira verbreitet wurde.

Dazu kommt eine Botschaft von Sawahiri, dem zweiten Mann, der die Ägypter aufrief, Obama zu ächten, weil dieser ein "Verbrecher" sei, der mit den "Folterern von Ägypten" paktiere, die "Sklaven von Amerika" seien, und seine volle Unterstützung für Israel geäußert habe. Ägypten mit seiner korrupten Regierung sei ein "Folterzentrum" im US-Krieg gegen den Terror geworden. Obamas Haltung sei deutlich geworden durch seine Unterstützung Israels, das den Gaza-Streifen zu einem Gefängnis gemacht habe, durch die Entsendung von mehr Truppen nach Afghanistan und verstärkte Angriffe auf die Stammesgebiete sowie den Ausbau des Gefängnisses in Bagram.

Ungeklärt bleibt weiterhin, ob die Audiobotschaft der Beweis ist, dass Bin Laden noch lebt. Angeblich hätten US-Geheimdienstmitarbeiter die Authentizität der Stimme bestätigt. Deutlich wird aber, dass die große Zeit von al-Qaida mittlerweile vorbei ist. Nach dem 11.9. war Bin Laden auch in den Medien der große und ebenbürtige Gegenspieler zu US-Präsident Bush. Jetzt ist er nur ein Schatten, der mehr und mehr verblasst und wohl auch an Einfluss in den muslimischen Ländern verliert. Bin Laden – oder wer der Sprecher auch immer sein mag - , versucht, Obama als Nachfolger von Bush zu stilisieren, der gegen die Muslime vorgeht und Kriege schürt. So habe er den "Hass auf Amerika" wieder gestärkt, indem er die pakistanische Regierung zum Angriff auf das Swat-Tal gedrängt habe, der Millionen von Menschen flüchten ließ und verhinderte, dass dort die Scharia eingeführt wird.

Bemerkenswert ist allerdings, dass Sawahiri und Bin Laden nicht direkt zur Gewalt aufrufen. Auch das mag ein Zeichen dafür sein, dass sie zwar die alte Feindschaft zu den USA und den anderen "Kreuzzüglern" pflegen, aber vermeiden wollen, dass nach einem Aufruf zur Gewalt nichts geschieht. Bin Laden droht allerdings indirekt, indem er sagt, dass die "freien Männer", die die Anschläge vom 11.9. ausgeführt haben, nicht vertrieben worden seien, wie dies jetzt bei den Pakistanis im Swat-Tal der Fall sei. "Wie hätten sie gehandelt", so sagte er weiter, "wenn sie diese Katastrophe erlebt hätten?" Kairo, wo Obama heute zu seiner angeblich entscheidenden Rede eintreffen wird, wird aus Sicherheitsgründen trotzdem nahezu still gelegt.

Die Hauptverkehrsstraßen der 20-Millionen-Metropole werden gesperrt, ebenso alle Straßen, auf denen Obama fahren wird, während Geschäfte und Schulen geschlossen bleiben und auf und in den Häusern Sicherheitspersonal postiert wird. Ägyptische Polizisten seien in zentralen Stadtvierteln von Haus zu Haus gegangen, hätten Ausweise eingesammelt und die Bewohner aufgefordert, in ihren Wohnungen zu bleiben. Die Sicherheitskräfte der USA das Kommando übernommen. 30.000 ägyptische Soldaten und Geheimdienstmitarbeiter sollen den Besuch absichern, unterstützt von 1000 CIA- und FBI-Agenten und 3.000 Leibwächtern, wie al-Arabyia beeindruckt berichtet. Obama wird den Präsidentenpalast, die Sultan-Hassan-Moschee, die Pyramiden und die Universität besuchen.

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