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Nachrichten aus der Wissenschaft

Ötztalmumie mit Korsen verwandt

29.02.2012

Der am Similaun eingefrorene Jungsteinzeitmensch vertrug außerdem keine Kuhmilch

Neue genetische Untersuchungen des vor etwa 5.300 Jahren im Similaun-Gletscher eingefrorenen Jungsteinzeitmenschen haben ergeben, dass er braune Haare und Augen hatte und der heute relativ seltenen Haplogruppe G2a4 angehört, die sich vor allem auf den Mittelmeerinseln Korsika und Sardinien findet. Allerdings ist die ländliche Bevölkerung im südlichen Alpenraum genetisch noch relativ schlecht erfasst, so dass der Befund eine gewisse Siedlungskontinuität nicht ausschließt.

Der Bozener Humangenetiker Albert Zink, der das EURAC-Institut leitet, will nun in isolierten Tälern in Südtirol gezielt nach Angehörigen dieser Haplogruppe suchen. Die Verwandtschaft bezieht sich jedoch lediglich auf gemeinsame Vorfahren. Bereits 2008 hatte man nämlich die mitochondriale DNA des Eismannes untersucht, die nur über die weibliche Linie vererbt wird. Dabei kam man zu dem Ergebnis, dass es wahrscheinlich keine lebenden Nachfahren des Ur-Tirolers gibt.

Dem in der Zeitschrift Nature Communications veröffentlichen Profil zufolge hatte der 1991 entdeckte Similaunmann außerdem die Blutgruppe Null, war laktoseintolerant, anfällig für Herz- Kreislauf-Erkrankungen und litt an Lyme-Borreliose. Die Borreliose-Spuren sollen nun mit modernen Borrelia-Burgdorferi-Stämmen verglichen werden, um zu sehen, wie sich die Erreger der Zeckenkrankheit in den letzten Jahrtausenden veränderten. Hinsichtlich der Laktose-Intoleranz war die Wissenschaftswelt wenig überrascht, weil sich die Fähigkeit zum problemlosen Verdauen von Kuhmilch nach herrschender Lehre erst seit etwa 10.000 Jahren nach und nach herausbildet. Hinweise auf Herz-Kreislauf-Probleme hatten bereits CT-Untersuchungen der Arterien ergeben, bei denen Ablagerungen sichtbar wurden.

Für die Untersuchung, an der 19 Forschungseinrichtungen beteiligt waren, hatte man der Mumie 2010 ein Stück Hüftknochen entnommen, in dem noch so viel verwertbares Material enthalten war, dass sich ein genetisches Profil erstellen ließ. Dies lag unter anderem daran, dass der Knochen eingefroren war und nicht austrocknete. Bei sibirischem Leimkraut gelang die Konservierung durch natürlichen Frost sogar so gut, dass unlängst aus etwa 30.000 Jahre alten Samen eine Pflanze gezogen werden konnte.

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