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Neuigkeiten aus der Welt des Klimas und der Energie

Ostsee-Trasse für Atomstrom

09.01.2013

Das AKW-Kaliningrad soll in das dann frisch ausgebaute deutsche Stromnetz einspeisen

Seit einigen Monaten hat die Politik ihre Vorliebe für neue Stromtrassen entdeckt. Als Begründung wird angeführt, der Ausbau sei notwendig, um Windstrom aus dem Norden nach Süden und auch weiter in die westeuropäischen Nachbarländer zu leiten. Doch wer hätte gedacht, dass diese Trassen dann, nach dem deutschen Atomausstieg, ausgerechnet dazu genutzt werden könnten, um Atomstrom in das deutsche Netz einzuspeisen - aus russischen Reaktoren. Und die Planungen sind anscheinend schon weit fortgeschritten.

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Sie laufen bereits unter dem Namen Interconnection Kaliningrad Region Power System – German Power System und sehen als Verknüpfung der beiden Netze als Kernstück eine Stromleitung durch die Ostsee vor. Sie soll von der russischen Enklave Kaliningrad aus nach Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern) führen und dort in das deutsche Netz einspeisen. In der EU-Liste eingereichter Projekte "von gemeinsamem Interesse in die europäische Energieinfrastruktur Strom" findet sich das Projekt ebenfalls, es soll aus 560 km Untersee-Kabel und 20 Kilometer Landkabel bestehen, als Inbetriebnahmezeitpunkt ist 2018 angegeben.

Auch das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte entsprechende Anfragen der Linken und Grünen. Es habe bereits Gespräche zu den russischen Atomstrom-Importen auf Regierungsebene und direkt mit den ausführenden Unternehmen gegeben. Der russischen Seite sei die Prüfung des Projekts "auf Arbeitsebene" zugesagt worden. Auch der Stromkonzern Inter RAO UES und der Netzbetreiber 50 Hertz auf deutscher Seite arbeiten bereits zusammen.

Der Hintergrund: In Kaliningrad soll 2016 der erste Reaktorblock des AKW Baltijskaja und 2018 dann ein zweiter ans Netz gehen. Zusammen sollen sie 2.300 MW Leistung haben und würden dann mehr als doppelt soviel Strom liefern, wie die 1 Mio. Einwohner Kaliningrads insgesamt überhaupt verbrauchen. Der Stromkonzern Inter RAO UES möchte deshalb die Überschüsse gerne nach Westeuropa verkaufen, die Leitung dazu soll eine Leistung von 600 bis 1.000 MW haben.

Besonders günstig dürfte die Verlegung ausfallen, wenn sie innerhalb des Korridors der Nord-Stream-Pipeline verläuft, weil dann keine neuen Räumungsarbeiten und kein neues Raumordnungsverfahren mehr erforderlich wäre. Und der Anschlussort Lubmin eignet sich, weil hier das 1995 stillgelegte AKW "Bruno Leuschner" steht, einschließlich seiner vorhandenen Netzinfrastruktur.

Gleichzeitig ist dort aber auch nach dem Scheitern des Kohlekraftwerkes in Lubmin jetzt der Bau eines Gaskraftwerkes geplant, das russisches Erdgas verstromen soll. Das heißt in der letzten Ausbaustufe, dass die Fernleitungen aus Mecklenburg gleichzeitig russischen Atomstrom, Strom aus dem Gaskraftwerk und den Offshore-Windstrom aufnehmen müssten - spätestens dann dürfte es nicht mehr weit her sein mit dem Einspeisevorrang für den Windstrom von der Ostsee. Die Fernleitungen Richtung Westen werden bis dahin aber, mit Hinweis auf das ach so teure EEG, modernisiert worden sein.

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