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Patientenalltag in Hellas

Was sind eigentlich Reformen? Ein praktisches Beispiel

Der staatliche Sozialversicherungsverband EOPPY wurde auf Geheiß des IWF als Vereinigung der meisten bisher bestehenden Sozialversicherungsträger gegründet. So sollten die Ausgaben im Gesundheitswesen minimiert werden. So weit die Theorie. In der Praxis sieht es jedoch anders aus.

Wer ab Montag dem 3. September 2012 in Griechenland krank wird, der muss so oder so tief in die Tasche greifen. Denn ab kommendem Montag verweigern die Apotheker im gesamten Land die Herausgabe von Medikamenten auf Kassenrezept. Es ist seit Mai das zweite Mal in diesem Jahr, dass die Apotheker zu solch einem Mittel greifen. Als Grund geben sie an, dass sie immer noch auf die Bezahlung von Rezeptrechnungen aus den Jahren 2010 und 2011 warten.

Weil sich die Schulden des EOPPY auf knapp 300 Millionen Euro belaufen, Banken den Apothekern Liquidität verweigern und gleichzeitig der Staat für die noch nicht beglichenen Rechnungen Steuern erhebt, sehen die Apotheker keinen anderen Ausweg.

Zu den Apothekern gesellen sich die griechischen Kassenärzte. Auch sie verweigern zum Monatsanfang die Behandlung auf Versicherungsschein. Den Praxisinhabern schuldet EOPPY 50 Millionen Euro, bei den Laborärzten summiert sich der Schuldenberg auf 200 Millionen Euro.

Die Versicherten sind nun dazu aufgerufen, im Fall einer Krankheit aber auch bei chronischen Leiden in Vorleistung zu gehen und anschließend die vorgestreckten Summen bei ihrer Versicherung geltend zu machen. Eine Verrechnung mit den monatlich zahlbaren Versicherungsbeiträgen oder Steuern ist ebenso wenig vorgesehen wie eine Finanzierung durch Banken. Die Ärzte sehen sich dennoch und trotz des hippokratischen Eids im Recht. Sie verweisen vielmehr darauf, dass sie nur dann weiterhin auf ihre Gelder warten würden, wenn gleichzeitig der zuständige Gesundheitsminister samt seiner Staatssekretäre und das Management des EOPPY auch auf ihre Gehälter warten würden.

Den Apothekern und Ärzten hat sich auch die griechische Niederlassung des Pharmariesen Novartis angeschlossen. Künftig erhalten die Polikliniken des EOPPY die Medikamente Myfortic, Certican, Sebivo, Tasigna, Glivec und Afinitor nur gegen Bargeld.

Auf die leidgeprüften Patienten, die sich, so sie denn Arbeit haben, zum Großteil mit einem monatlichen Bruttolohn von 586 bis 749 Euro oder, falls sie unter 25 sind, mit 510 Euro pro Monat durchs Leben schlagen müssen, kommen noch weitere Belastungen hinzu. Seit Mitte August ist es nicht mehr möglich, zum telefonischen Ortstarif einen Arzttermin über die landeseinheitliche Telefonnummer 184 zu buchen. Versicherte sind in Griechenland dazu verpflichtet, ihre Termine zentral über die Kasse und nicht beim Arzt selbst auszumachen. Sie bekommen daraufhin einen Arzt nach Wahl der Kasse zugeteilt.

Im Zug der Privatisierung von staatlichen Dienstleistungen wurde der telefonische Versichertenservice an private Anbieter übertragen. Für die Nummer 14554 von BPO Hellas, die über Vodafone betrieben wird, sind 0,98 Euro pro Anruf aus dem Festnetz berechnet. Falls dieser mobil oder über einen anderen Anbieter als Vodafone erfolgt, sind 1,86 Euro pro Minute fällig. Die Tochter der deutschen Telekom, OTE A.E. ,beherbergt den Dienstanbieter E. Value A.E., der Arzttermine für 1,07 Euro pro Anruf aus dem Festnetz und für 1,18 Euro pro Minute aus dem Mobiltelefonnetz anbietet. 0,99 Euro pro Anruf oder respektive 1,18 Euro pro Minute berechnet Call Center Hellas, 1,08 Euro und 1,18 Euro Newsphone Hellas. Für einen Anruf an die ehemals staatliche Nummer 184 waren 0,03 Euro fällig. Die Buchung eines Arztes über Internet ist nicht vorgesehen.

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