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Neuigkeiten aus der Welt des Klimas und der Energie

Pimp-me-up Comeback der Nachtspeicherheizung

06.12.2012

... als "Windheizung" für Ökostrom

Kohlekonzern RWE möchte die Nachtspeicherheizung wieder einführen, beziehungsweise ihr Leben verlängern. Diesmal beworben als "Windheizung" und Pufferspeicher für Ökostrom. Eigentlich dürfen die alten Nachtspeicher mit Ausnahmen nur noch bis 2019 laufen. Gegen sie spricht unter anderem, dass sie zum Heizen extrem ineffizient gewonnenen Strom einsetzen, bei dessen Herstellung in Großkraftwerken rund 2/3 der in den Brennstoffen eigentlich enthaltenden Energie verloren geht.

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RWE schlägt jetzt vor, Nachtspeicherheizungen als Pufferspeicher einzusetzen. Argumentiert wird damit, dass so teure Investitionen in Netzausbau und Pumpspeicher eingespart werden könnten. Dazu müssten noch nicht einmal die noch bestehenden 1,5 Mio. Nachtspeicherheizungen ausgebaut werden, vielmehr sollen sie mit neuer Smart-Grid-Regelungstechnik ausgestattet werden.

Bisher wurden Nachtspeicher nachts mit Überschussstrom der kaum regelfähigen Großkraftwerke beladen. In Zukunft sollen sie dann fluktuierenden Strom aus Ökokraftwerken aufnehmen. Ein entsprechender Praxistest von RWE mit 50 Wohnungen sei erfolgreich verlaufen und die Technik könne dann ab 2014 marktreif sein. Die Argumentation scheint bei oberflächlicher Betrachtung einiges für sich zu haben, so waren die Zwangsabschaltungen für Windräder 2011 bereits drei Mal so lang wie noch 2010. Angeblich weil Netzkapazitäten fehlten.

Allerdings wären Nachtspeicherheizungen in Gebäuden im Niederspannungsnetz angeschlossen, so dass der Windstrom aus den Höchstspannungsnetzen immer noch heruntertransformiert und zu ihnen geleitet werden müsste. Neben der unguten Assoziation mit Asbest ergibt sich bei Bestandsnachtspeicherheizungen zudem das Problem, dass sie nur mäßig gedämmt sind, also schon während des Aufladens Wärme wieder abgeben, auch wenn diese im Moment gar nicht gebraucht wird. Zum Teil wird mit Nachtspeicherheizungen so immer auch unkontrolliert geheizt - also Energie unnötig verschwendet, was besonders in gut gedämmten Gebäuden ärgerlich ist.

Die überflüssige Energie müsste von den Kunden natürlich trotzdem bezahlt werden, aber RWE beschwichtigt und denkt an einen Preisnachlass von weiteren 10 Prozent gegenüber den bestehenden Nachtstromtarifen. Die Verbraucherzentrale NRW spricht dagegen von einer Mogelpackung, denn RWE könne gar nicht wissen. wo der Überschuss-Strom gerade herkomme. Spannend dürfte es dann im Februar werden, denn dann soll über die neue Energieeinsparverordnung (EnEV) entschieden werden und damit über das Ende der Nachtspeicherheizungen oder ihre Wiederkunft als "Windheizung".

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