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Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

"Politik auf der Grundlage von messianischen Gefühlen"

30.04.2012

Der ehemalige Shin-Beit-Chef Juval Diskin kritisiert die Iran-Politik Netanjahus

Mit dem früheren Shin-Beit-Chef Juval Diskin hat der nächste hohe Sicherheitsmann, der unter dem israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu Dienst tat, Kritik an dessen Kurs im Konflikt mit Iran geäußert.

Anders als beim früheren Mossad-Chef Meir Dagan, der im März kritisierte, dass ein israelischer Angriff auf iranische Anlagen die Atombombe nicht aufhalten würde und dies für Israel verheerende Konsequenzen haben würde, richtete sich Juval Diskins scharfe Kritik gegen Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak persönlich.

Diskin bezeichnete Netanjahu und Barak als Personen, die ihre Entscheidungen aufgrund von "messianischen Gefühlen" treffen würden. Weder in den Regierungschef noch in den Verteidigungsminister könne er Vertrauen haben. Er habe beide aus der Nähe kennengelernt und misstraue ihren Fähigkeiten, wird der frühere Shabak-Chef zitiert:

"Sie sind keine Personen, denen ich persönlich vertrauen kann, dass sie Israel zu einem Ereignis solchen Ausmaßes führen könnten und dies auch durchführen. Das sind keine Personen, die ich bei einer solchen Sache am Steuer sehen will."

Darüberhinaus warf der Ex-Shin-Beit-Chef, der vor einem Jahr von seinem Posten zurücktrat, Netanjahu und Barak vor, dass sie die Öffentlichkeit in die Irre führen würden, indem sie erklärten, dass Iran vom Bau der Bombe abgehalten werde, wenn Israel die Atomanlagen angreifen würde. Das sei ein Trugschluss.

Um einiges diskreter, aber für die Öffentlichkeit als Kritik gegen Netanjahus Reden über Iran gut kenntlich, hatte der amtierende IDF-Chef Benny Gantz vergangene Woche von "Hysterie" in Zusammenhang mit Iran gesprochen, als er seine Überzeugung kundtat, dass sich die iranische Führung noch nicht zum Bau der Atombombe entschieden habe ( "Die iranische Führung besteht aus sehr vernünftigen Personen“).

Während aus der Umgebung Netanjahus verlautet, dass es sich um persönliche Animositäten handele, hervorgegangen aus einer Karriere-Frustration, richten Beobachter das Augenmerk darauf, dass die Kritik am "abenteuerlichen Kurs" der Regierung Netanjahu gegenüber Iran immer deutlicher von Personen aus hohen Sicherheitskreisen kommt, genannt wird z.B. auch der frühere Armee-Chef Gabi Ashkenazi.

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