k
Nachrichten aus Kultur und Medien

Probleme mit einer riskanten Delikatesse

08.05.2008

Was passiert, wenn der als japanische Delikatesse weltweit bekannte Kugelfisch Fugu ganz ohne Gift und sogar mit der gefürchteten Leber auf den Tisch kommt?

Ein seltsames Problem ist in Japan aufgetaucht. Berühmt-berüchtigt ist dort der Kugelfisch Fugu, der das starke Nervengift Tetrodotoxin enthält, das sich in der Haut, in einigen Organen und vor allem der Leber befindet. Das Muskelfleisch ist davon allerdings frei. Prickelnd ist das Verspreisen dieser Delikatesse, die dann, wenn sie nicht zubereitet ist, schon manchem wagemutigen Feinschmecker den Tod gebracht hat, auch wenn bei weitem nicht alle Fugus genug Gift angesammelt haben, um wirklich einen Menschen damit töten zu können.

Und weil es sich eben um eine Delikatesse handelt, spielt auch das Geld eine wichtige Rolle. Der Fisch darf nur von geschulten Köchen zubereitet werden, die giftigen Reste müssen gesammelt und sicher entsorgt werden, seitdem einmal in einem Jahr fast 200 Obdachlose umgekommen sind, die sich von den gefährlichen Speiseresten von Restaurants ernähren wollten. Der Nationale Fugu-Verband und der Fugo-Verband von Shimonoseki, von wo aus der Fisch nach der Entfernung der giftigen Teile ins ganze Land und nach Übersee geliefert wird, sind besorgt und fürchten um das Geschäft, berichtet die New York Times.

Fugu-Kugelfische. Bild: lbl.gov
Fugu-Kugelfische. Bild: lbl.gov

Der Grund: Fischfarmer haben inzwischen völlig ungiftige Fugus gezüchtet und bieten sie auf dem Markt an. Man muss nur die Ernährung verändern, da der Kugelfisch die das Gift produzierenden Bakterien mit seiner Nahrung aufnimmt. Da der Fisch aber wohl vor allem wegen seines Giftes und des Spiels mit dem Risiko so geschätzt wird, will der Verband das Handelsverbot für die Fugu-Leber aufrechterhalten – auch für den giftfreien Fisch. Eigentlich ist schon alles gelaufen, denn nur noch 10 Prozent der Fugus, die auf den Markt kommen, stammen nicht aus den Fischfarmen und sind noch giftig. Noch spielt das Gesundheitsministerium mit, obgleich giftfreie Fugu-Leber auch schon in Restaurants angeboten wird. Verliert aber Fugu ganz sein Image als riskante Delikatesse und wird zu einem ganz normalen Fisch, dann könnte der Gewinn von einigen Unternehmen einbrechen und manche ihren Arbeitsplatz verlieren.

Anzeige
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Anzeige
Cover

Krisenideologie

Wahn und Wirklichkeit spätkapitalistischer Krisenverarbeitung

Energiewende Parteiensystem im Umbruch MOOCs statt Hörsaal
bilder

seen.by


TELEPOLIS