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Nachrichten aus Kultur und Medien

Radio Vatikan

31.10.2013

Der NSA ist nichts heilig

Wie am Mittwoch die italienische Zeitung PANORAMA berichtete, hörte der US Geheimdienst NSA auch den Vatikan ab. Gut möglich, dass die digitale Vatikanwallfahrt auf eine direkte Weisung von Obamas Amtsvorgänger George W. Bush hin eingeleitet wurde, pflegte doch der Evangelikale seine tägliche Sitzung mit Bibelstudien zu beginnen. So könnte sich Bush, ein „born again Christian“, dafür interessiert haben, was denn möglicherweise doch am Katholizismus dran sein könnte. Als eigentlicher Anlass diente vielleicht ein Missverständnis über Papst Benedikt XVI. So war seine Heiligkeit Herr Ratzinger wegen seiner erzkonservativen Haltung häufig als „lebendes Fossil“ bezeichnet worden, was das Interesse des bekennenden Kreationisten Bush geweckt haben könnte.

Bushs Bibeltreue hatte sich seinerzeit Donald Rumsfeld zunutze gemacht, um den großen weißen Vater in Washington mit religiösen Anspielungen vom Nutzen eines Kreuzzuges gegen den Irak zu überzeugen – seinerzeit ein Staatsgeheimnis. Nachdem Bush schließlich keinen NSA-Zugang mehr zum Vatikan hatte, kamen ihm offenbar deshalb 2008 dann doch Zweifel, ob die Bibel wörtlich zu nehmen sei.

Doch das Abhören des Vatikans ist durchaus auch politisch nachvollziehbar veranlasst. So gab es manch zweifelhaften Gast auf dem Thron Gottes, etwa Papst Pius den Viertel-vor-Zwölften, der sich mit den Nazis einließ, oder eben Benedikt XVI., der sich in deren Uniform einließ – Glauben macht selig, Überwachung ist besser. Als die puritanischen USA mit John F. Kennedy erstmals einen katholischen Präsidenten zu befürchten hatten, hetzten die Gegner, dessen eigentlicher Chef säße in Rom. Aufgrund des über Jahrhunderte hinweg etablierten Missionsnetzes und den Kontakten zu Mächtigen war Rom politisch schon immer bestens im Bilde. Helmut Kohl ließ noch in den 1990ern wissen, hinter den Mauern des Vatikan seien mehr und bessere Informationen zu bekommen als bei der CIA. Die NSA dürfte allerdings inzwischen aufgeschlossen haben. Da der Papst auch ein Staatschef ist, wäre es geradezu beleidigend, hätte die NSA ihn im Gegensatz zu seinen Kollegen nicht auch abgehört.

Wie man nun hört, hörte man auch die Papstwahl ab. So dürfte es die US-Geheimen durchaus interessiert haben, ob der neue Papst etwa kommunistische Allüren pflegt und möglicherweise aus einer Gegend kommt, in der die CIA noch Sünden zu beichten hätte, etwa Stützen rechtsgerichteter Diktaturen in Südamerika – was Kirchens aber auch schon mal tun. So lautete eines der Kriterien, für welche sich die NSA interessiert haben soll, „Human Rights“ - Menschenrechte haben für US-Regierungen allerdings eher dann einen Wert, wenn auch Schürfrechte nicht weit sind. Die politische Beurteilung des Argentiniers Herrn Jorge Mario Bergoglio, der seit einiger Zeit unter dem Decknamen „Papst Franziskus“ operiert, fällt zwiespältig aus. Ein Terrorist scheint er jedoch nicht zu sein, anders als offenbar Frau Merkel, die über 186.459 gewaltbereite Bürgerinnen und Bürger in Uniform gebietet.

Im Vatikan gibt man sich erst einmal gelassen. Die NSA bestreitet sogar, dem Papst ihr Ohr geliehen zu haben. Da dem Heiligen Vater ein guter Draht wenn nicht nach Maryland, dann jedenfalls nach oben nachgesagt wird, werden wir bald erfahren, was an den Vorwürfen dran ist. Sollten sich diese bewahrheiten, könnte der Papst bei seinem nächsten Deutschlandbesuch Station in Griesheim machen, um gegen die unfreiwillige Beichte zu protestieren.

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