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Nachrichten aus Kultur und Medien

Rapper "Sido" vergleicht Medienindustrie mit Bordell

17.01.2012

Der "Deutsche Kulturrat" freut sich trotzdem über die "neue Galionsfigur des Urheberrechts"

Die Lobbyorganisation "Deutscher Kulturrat" lobt heute den Gangsterrapper Paul Würdig alias "Sido". Der Komponist und Texter des "Arschficksongs" sei, so Kulturrat-Geschäftsführer Olaf Zimmermann in einer Massenmail, zur "neuen Galionsfigur des Urheberrechts" geworden, weil er in einem Werbespot zu seinem Film Blutzbrüdaz "absolut begrüßenswert und beispielhaft […] auf die zentrale Bedeutung der finanziellen Entlohnung für künstlerisches Schaffen hinweist". Und zwar "mit den richtigen Worten" und an "die richtige Zielgruppe" gerichtet.

Sieht man sich den Trailer an, dann stößt man auf ein bemerkenswertes Argument, mit dem der Musiker seine Zielgruppe dazu bringen will, den von der Firma Constantin geforderten Preis für den von ihr vertriebenen Film zu entrichten: In einer Direktansprache an den Zuschauer meint er, man hätte "sechzig Leute am Set" zu entlohnen (darunter "Masken-Leute" und "Klamotten-Leute"), weshalb auch der Filmkonsument bezahlen müsse. Das sei nämlich – so der "Sido"-Sidekick Robert Davis alias "B-Tight" - "wie im Puff, Alter", was Würdig mit den Worten "und ich will mal sehen, dass Du im Puff nicht bezahlst, Alter" bestätigt.

Bei näherer Betrachtung hat dieser Vergleich durchaus aufklärerisches Potenzial: Bringt er den Zuschauer doch dazu, sich zu fragen, wer eigentlich den Löwenanteil des für Filme, Musik und sexuelle Dienstleistungen bezahlten Geldes einsteckt. Die Musiker und die Huren - oder die Zuhälter und die Medienindustrie? Manch kulturell offenerer Gangsterrap-Fan könnte sich vielleicht sogar fragen, ob Geschlechtsverkehr außerhalb von Bordellen nicht mehr Spaß macht als in solchen Einrichtungen.

In eine vergleichbare Richtung zielt die Initiative The Promo Bay, mit der die schwedische Downloadplattform The Pirate Bay der Rechteverwerterindustrie vorführen will, wie überflüssig sie ist: Dazu sucht man Bands, Filmemacher, Komiker und Comiczeichner, die man bei Gefallen prominent auf der Startseite präsentiert. Interessenten müssen neben einem Downloadlink für ihr Werk auch ein Foto einsenden und drei Länder angeben, deren Internetnutzer die kostenlose Werbung gezeigt werden soll. "Rassistische und andere Hasspropaganda" wird allerdings ignoriert, weshalb manche der von der Musikindustrie im letzten Jahrzehnt gehypten Gangsterrapper eher schlechte Karten haben dürften.

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