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Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Ratingagenturen treiben Spanien zum Rettungsantrag

17.10.2012

Nachdem die Kreditwürdigkeit Spaniens gesenkt wurde, stufte Standard&Poor's die Großbanken an die Ramsch-Grenze ab

Nachdem die Ratingagentur Standard&Poor's (S&P) in der vergangenen Woche Spanien aabgestuft hatte, setzte die Agentur nun bei den Großbanken nach. Wie das Land wurde die Kreditwürdigkeit für die zweitgrößte BBVA um zwei Stufen auf "BBB-" gesenkt. Dieses Schicksal ereilte auch der spanische Ableger von Barcleys. Damit stehen diese beiden Institute wie das Land direkt an der Ramsch-Grenze.

Da der Ausblick weiter "negativ" ist, ist eine weitere Abstufung zu einer rein spekulativen Anlage zu erwarten. Bei einer Verschlechterung müsse dann mit Ausfällen gerechnet werden. Zwar wurde auch die Note des Branchenprimus Santander um zwei Stufen gesenkt, doch auch ihre Bonität ist mit "BBB" wie bei Banesto nur noch eine Stufe von der Ramsch-Schwelle entfernt. Sieben weitere Banken wurden abgestuft. Darunter befinden sich schon die großen Popular, Bankia und Sabadell, die nun noch tiefer in die Ramsch Zone herabgestuft wurden.

S&P hat weitgehend nachvollzogen, was Moody's schon Juni vorgelegt hatte. Die Ratingagentur stufte Spanien schon im Sommer an die Ramsch-Schwelle herab. Santander und BBVA hatten die Note erhalten, die ihnen nun auch von S&P verpasst wurde. Als wesentliche Begründung nannte S&P, dass das Risiko für die Geldhäuser mit den Problemen des Landes steige. Deshalb könnten auch die Großbanken nicht deutlich höher bewertet werden als das Land selbst, erklärte die Agentur.

Rezession durch Sparmaßnahmen führt zur Abstufung

Bei der Abstufung Spaniens hatte S&P die "strenge und sich vertiefende Rezession" angeführt. Sie geht mit den Sparprogrammen einher, weshalb die Wirtschaftsleistung weiter sinkt, was den Handlungsspielraum der konservativen Regierung verkleinere. Die enorme und steigende Arbeitslosigkeit und die Einschränkungen bei den Staatsausgaben vergrößerten die soziale Unzufriedenheit und führten zu weiteren Spannungen, sprach S&P den bevorstehenden Generalstreik an.

Angeführt wurde auch die zunehmenden Spannungen zwischen der Zentralregierung und den Regionen. Zugespitzt drücken sie sich in der Absicht Kataloniens aus, die Bevölkerung nach vorgezogenen Neuwahlen im November über die Unabhängigkeit abstimmen zu lassen. Die Katalanen sehen sich durch die Vorgänge in Schottland bestätigt, wo die Bevölkerung im Herbst 2014 über die Unabhängigkeit entscheiden wird. Spanien bleiben kaum noch Argumente, diesen Weg den Katalanen zu verweigern.

Mit der Abstufung der Banken wird nun erwartet, dass Moody's noch in diesem Monat die Kreditwürdigkeit Spaniens unter die Ramsch-Grenze senken wird. Die Einstufung wurde im September auf Oktober verschoben. Das zeichnet sich ab, weil die Agentur dem Stresstest spanischer Banken und dem Haushalt 2013 nicht traut. Hatte die Beraterfirma Wyman den Kapitalbedarf der Banken mit höchstens 60 Milliarden Euro beziffert, geht Moody's von bis zu 103 Milliarden Euro aus. Es sei mit zu positiven Annahmen gerechnet worden, vor allem bei der Wirtschaftsentwicklung der kommenden Jahre.

Warten auf den Rettungsantrag

Denn wie der Internationale Währungsfonds (IWF) erwarten auch Agenturen, dass die spanische Wirtschaft 2013 etwa dreimal so stark schrumpft, wie die Regierung mit 0,5 Prozent erwartet. Deshalb gehen der IWF, S&P und Moody's davon aus, dass Spanien seine Defizitziele noch Jahre verpassen wird. Wolle es sie erfüllen, müssten zusätzliche Einsparungen erfolgen, womit aber die Rezession weiter verschärft werde, ist S&P überzeugt. Unterschwellig fordert S&P wie der IWF von Spanien, endlich den umfassenden Rettungsantrag zu stellen, um "dauerhaft den schwierigen Finanzierungsbedingungen" zu begegnen.

Wenn Moody's nun noch im Monat die nächste Abstufung vornimmt, bleibt Spanien ohnehin kein anderer Weg. Es wird dann zu einem Ausverkauf spanischer Staatsanleihen kommen, womit die Zinsen stark steigen werden, weil das Land der Bereich "Non-Investment-Grade" käme. In vielen Fonds müssen die Anleihen verkauft werden, wenn die Anleihe nicht mehr im Bereich "Investment-Grade" eingestuft wird, weil die Bonität unter die Ramsch-Schwelle gefallen ist.

Ohnehin wird erwartet, dass Spanien den Antrag nach den Regionalwahlen am kommenden Sonntag in Galicien und dem Baskenland stellen wird. Der Antrag soll im November im Bündel mit den Änderungen für das griechische Sparprogramm und mit dem Zypern-Antrag behandelt werden, sickerte es aus verschiedenen Quellen aus der EU-Kommission durch. Das Wall Street Journal berichtete am Dienstag mit Bezug auf einen hochrangigen Beamten des spanischen Finanzministeriums, die deutsche Regierung wolle die Anträge bündeln, um nicht einzeln über Finanzhilfen für verschiedene Länder im Bundestag abstimmen zu müssen.

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