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Ratlose Dschihadisten

09.02.2011

In einschlägigen Foren herrscht Verunsicherung, weil man nicht so recht weiß, was die Aufstände in Tunesien und Ägypten für die eigene Sache bedeuten. Zawahiri schweigt

Die al-Qaida Führung schweigt, nur die B-Prominenz der Dschihad-Ideologen beteiligt sich in einschlägigen Foren an Diskussionen über die Aufstände in Ägypten. Das ist in der dreiteiligen Analyse "Jihadis Debate Egypt" des Watchblogs Jihadica zu erfahren. Demnach ist die Dschihad-Online-Community zwar gefesselt von den Ereignissen in Tunesien und Ägypten. Aber vor allem perplex - weil man nicht so recht weiß, was die Aufstände für die eigene Sache bedeuten. Richtungsweisende Antworten von Autoritäten, wie zum Beispiel al-Qaidas Zawahiri, bleiben aus: "Your Silence is Deafening". Eine offizielle al-Qaida-Erklärung gab es nur zu Tunesien.

Nur einige Ideologen aus der hinteren Reihe würden sich den Fragen und Diskussionen im "führenden Dschihadforum Shamikh" stellen - mit großem Entusiasmus und Bewunderung für die Demonstranten in Ägypten. Da sie dabei seien zu erreichen, was die Gotteskrieger-Organisationen nie geschafft haben:

"We need to acknowledge that removing the ruling regime in Egypt is a matter which may be hard even for the largest jihadi organizations, so if these demonstrators succeed in toppling it , it will be a great victory for Islam and Muslims."

Begleitet wird das recht amtlich mit einer Fatwa, wonach es erlaubt sei, "an der gegenwärtigen Revolution teilzunehmen". Selten habe er einen pro-al-Qaida-Dschihadisten erlebt, der sich so begeistert über eine säkulare Revolution gibt, schreibt der Watch-Blogautor. Gotteskrieger Scheich al-Shanquity bedauert, dass er bei diesem historischen Moment, dessen "erdbebenhafte Auswirkungen denen von 9/11 ähneln", nicht selbst dabei ist.

"How we long to be among our brothers in Egypt so that we could enjoy the honour of contributing to the downfall of this regime, be it only with half a word."

Viele Gotteskrieger - und viele aus der al-Qaida-Führung - kommen aus Ägypten; ein nationaler Ton würde die Stellungnahmen deutlicher färben als ein irgendwie geartetes dschihadistisches Element. So kommt es zu grotesken Vorschlägen, wenn es darum geht, beide Momente miteinander zu verbinden. Etwa wenn der Scheich die Mujahedins dazu auffordert, sich für ein Opfer bereit zu halten: "Zehn oder vielleicht Hundert der besten Kämpfer könnten mit einem Selbstmordanschlag Mubarak und seinem Regime das Ende bereiten." Damit wäre der Sache der ägyptischen Revolution, die man doch so sehr bewundert, freilich trefflich gedient...Plötzlich wären die bis dato für die Protestbewegung völlig irrelevanten Gotteskrieger wieder ein wichtiger Trumpf für die Gegenseite.

Der Verfasser der Forumsanalyse, Brynjar Liar, ein norwegischer Historiker, der sich auf internationalen Terrorismus spezialisiert hat und auch beim Counterterrorism Blog veröffentlicht, sieht schwierige Zeiten auf al-Qaida et al. zukommen, sich gegenüber den gegenwärtigen Protestbewegungen, die gewaltfrei, populär, überwiegend säkular, integrativ ("all-inclusive") und über eine große Basis verfügen, zu positionieren.

Der Versuch von Seiten einiger Dschihad-Ideologen, die Protest-Bewegung mit eigener Vorarbeit in Verbindung zu bringen - "various jihadi struggles in different parts of the world 'were the very spark' which ignited the revolutions in Egypt and Tunisia" - wirkt in seinem Bemühen ebenso aufgesetzt und hilflos wie ähnliche Versuche seitens des Iran. So hoffen die Gotteskrieger auf eine wichtige Rolle für die Zeit nach der Revolution.

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