p
Politik News
Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Reallöhne sind im letzten Jahrzehnt gesunken

04.02.2011

Vor allem die Einkommen aus Vermögen konnten im vergangenen Jahr zulegen

Der Aufschwung ist da, und er kurbelt dank steigender Löhne zunehmend die Binnennachfrage an - das ist zumindest die Sichtweise, die die Regierung und allen voran Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) nicht müde werden zu verkünden. Doch kritisieren Experten wie der Direktor des Instituts Arbeit und Wirtschaft, Rudolf Hickel, die Aufschwungsrhetorik der Bundesregierung. Neueinstellungen seien oft zeitlich befristet, zudem entließen viele Unternehmen reguläre Beschäftigte, um Leiharbeiter einzustellen, so Hickel.

Dass die Lohnsituation bei weitem nicht so positiv ist, wie sie Schwarz-Gelb gerne darstellen möchte, unterstreicht nun auch die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung in ihrem Tarifpolitischen Jahresbericht. Laut dem Bericht stiegen die Tarifverdienste im Kalenderjahr 2010 in Gesamtdeutschland um 1,8 Prozent und damit weniger als im Vorjahr, wo noch eine Steigerung von 2,6 Prozent erreicht wurde. Da im selben Zeitraum die Inflationsrate bei 1,1 Prozent lag, bedeutet dies einen Reallohnanstieg von real 0,7 Prozent - eine ernstzunehmende Steigerung der Binnenkaufkraft sieht anders aus.

Deutlich zugelegt haben hingegen Unternehmens- und Vermögenseinkommen. Diese sind um ganze 13,2 Prozent gewachsen. Dies kann zu einem Teil mit den nominal um 0,2 Prozent gesunkenen Stundenlöhnen sowie der Zunahme der Arbeitsproduktivität um ein Prozent erklärt werden. Infolgedessen konnten die für den Exporterfolg der deutschen Wirtschaft wichtigen Lohnstückkosten 2010 um 1,3 Prozent gesenkt und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportunternehmen weiter gesteigert werden.

boeckler.gif
Grafik: WSI-Tarifarchiv/Hans Böckler Stiftung

Auch der längerfristige Trend in der Lohnentwicklung sieht aus Arbeitnehmersicht alles andere als positiv aus. Inflationsbereinigt sind die Bruttoeinkommen im Zeitraum von 2000 bis 2010 laut dem Jahresbericht der Böckler-Stiftung um vier Prozent gesunken. Es würde daher einen deutlichen Lohnanstieg brauchen, um die Verluste der vergangenen Jahre überhaupt wieder aufzuholen. Vorher kann von einer Belebung der Binnenkaufkraft keine Rede sein. Die Böckler-Stiftung nennt daher die Jahre von 2000 bis 2010 aus Sicht der Lohnentwicklung ein "verlorenes Jahrzehnt".

Daher würden die Gewerkschaften in diesem Jahr entsprechend hohe Tarifabschlüsse anstreben, so der Jahresbericht. In den meisten Branchen seien Abschlüsse zwischen fünf und sieben Prozent das Ziel. Lohnsteigerungen in der Bundesrepublik sind auch notwendig, um wirtschaftliche Ungleichgewichte in der Europäischen Union auszugleichen, die zu den deutlichen Außenhandelsüberschüssen der Bundesrepublik führen. In der Vergangenheit war Deutschland deswegen wiederholt der Kritik, unter anderem aus Frankreich, ausgesetzt.

Kommentare lesen (259 Beiträge) http://heise.de/-2031323
Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Guatemala in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige
Cover

Vergiftete Beziehungen

Männer oder Frauen: Wer hat recht?

Demokratie am Ende?

Wolfgang J. Koschnick analysiert den Niedergang der entwickelten parlamentarischen Parteiendemokratien. Das verbreitete Klagen über "die Politiker" und die allgemeine "Politikverdrossenheit" verstellt den Blick dafür, dass alle entwickelten Demokratien in einer fundamentalen Strukturkrise stecken.

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.