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Sarrazin wird österreichische Zustände schaffen

02.09.2010

Die einstige liberale Partei FPÖ macht in einem primitiven Spiel, in dem man Muslime "stoppt", das ausländerfeindliche Ressentiment deutlich

Die NPD und andere ausländerfeindliche Bewegungen wie PI oder alle-gegen-sarrazin&catid=1&Itemid=2: Pro Deutschland feiern Sarrazin. Endlich habe da mal einer gegen die Gefahr der "Überfremdung" angesprochen. Die Rechten versuchen sich gegenseitig, sich in der Nähe von Sarrazin zu stellen, der trotz seines pseudowissenschaftlichen Angstpamphlets sehr wohl wissen wird, welche Resentiments er bedient, auch wenn manche aus der Unterschicht wohl nicht erkennen, wie da einer, der sich selbst der Oberschicht zurechnet, auch den dummen Deutschen eigentlich das Existenzrecht abspricht.

Was Sarrazin in Deutschland fördert, haben die Menschen in den Niederlanden bereits mit Wilders, mit Blocher in der Schweiz und in Österreich mit Straches FPÖ etwas weniger scheinintellektuell und mit weniger verkniffenem Mund. Dass man die absolute Wahrheit vertritt, weiß man in diesen Kreisen, was in Österreich und Deutschland mit ihrer nicht allzu langen Geschichte in bester christlich-abendländischer Tradition besonders schön ist. Der steirische FPÖ-Chef Gerhard Kurzmann meint denn auch: "Lieber Sarrazin als Muezzin."

Die steirische FPÖ führt gerade vor, wohin wir vermutlich auch bald steuern werden, weil Fremdenfeindlichkeit immer gut ist (und auch den Wunsch nach einer Stabilität anspricht, die sich gegen die Geschichte stemmt). Natürlich ist das Spiel, entwickelt mit Schweizer Mithilfe, Moschee baba, bei dem man Muslime auf Moscheen anzielt und so Punkte sammelt, eigentlich völlig harmlos. Es wird nicht gestorben, es fließt kein Blut, auch technisch ist alles auf billigstem Comic-Niveau, man stoppt ja nur, "um eine politische Fehlentwicklung abzustellen". Die Stopptafel sei kein Fadenkreuz, betonen Österreichs Rechte. Es ist aber die Haltung, die es lustig findet, wenn man so muslimische Mitbürger "behandelt", die von der dahinter stehenden Geisteshaltung Zeugnis ablegt. Für die FPÖ droht auch, was Sarrazin erst beschwört: "Die Steiermark ist voller Minarette und Moscheen!"

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Am Schluss gibt es nicht nur die Punkte, sondern auch die Möglichkeit, an einer Umfrage teilzunehmen, in der es um ein Bauverbot von Minaretten, von Burka und Kopftuch als "politisches Symbol", was immer das sein mag, und eine Erklärung geht, die Muslime unterschreiben sollen, nämlich dass sie die "österreichische Rechtsordnung als über dem Koran stehend akzeptieren". Das müsste man dann wohl auch für extreme Christen und manche Rechten einführen. Aber um die einheimischen Gegner der Rechtsordnung geht es nicht, sondern um die Ausländer, so die FPÖ: "Rot und Schwarz haben jahrelang tatenlos zugesehen, wie immer mehr Ausländer in unser Land geströmt sind." Mit den Ausländern verbinden die österreichischen Liberalen auch die Forderungen: "Harte Strafen für Kinderschänder" und "Absolutes Bettelverbot". Nun ja, bei der Erregung geht schon mal die Logik durch.

Und man fordert "mehr Heimat" und erklärt:

"Die muslimische Parallelgesellschaft in unserem Land ist Fakt! Die immer aggressiveren Forderungen nach Moscheen und Minaretten stoßen auf Widerwillen der Bevölkerung. Kein Wunder also, dass sich immer mehr Steirer fremd im eigenen Land fühlen!

Deshalb fordern wir:

  • Keine Moscheen und Minarette!
  • Deutsch ist Pflicht!
  • Sofortige Ausweisung von fundamentalistischen Islamlehrern!
  • Arbeitsplätze zuerst für die heimische Bevölkerung!
  • Wer in unser Land kommt, hat sich an unsere Spielregeln zu halten! Wer sich nicht an unsere Spielregeln hält, bekommt keine staatlichen Hilfen!"

Wenn dies aber nicht nur Muslime treffen soll, sondern all diejenigen, die sich nicht an die Spielregeln halten, wird es schon schwierig – vor allem auch für die FPÖ, die sich mit ihrem Spiel gegen die Rechtsordnung stellt. Die Grünen hat die FPÖ angezeigt ("In diesem „Spiel“ geht es darum, möglichst viele Moscheen, Minarette und Muezzine „abzuballern“ und dafür Punkte zu sammeln"), die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Verhetzung und Herabwürdigung religiöser Lehren. Und weil die Medien – Telepolis jetzt eingeschlossen – auf die FPÖ und das Spiel verweisen, wird es desto erfolgreicher. Der Sarrazin-Effekt, obgleich oder weil es auch viel Kritik gibt.

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