e
Neuigkeiten aus der Welt des Klimas und der Energie

Schachern bis zum Blackout?

16.02.2012

Börsenzocken gefährdet nun auch das Stromnetz

Während der Kälteperiode der letzten zwei Wochen kam es mehrmals zu teilweise Stunden andauernden Unterdeckungen im Stromnetz. Die Bundesnetzagentur überprüft nun die Hinweise darauf, dass Stromhandelsgeschäfte dafür verantwortlich waren. Der Verdacht richtet sich gegen einige der rund 900 Stromhändler, die als Bilanzkreisverantwortliche direkt bei den Kraftwerken Strom für Großkunden einkaufen.

Die Stromhändler müssen eigentlich viertelstundengenau so viel Strom einkaufen, wie ihre Großkunden aus Industrie oder Kommunen gerade brauchen. In mehreren Bilanzkreisen sei es aber zu Unterspeisungen gekommen, weil zu wenig Energie eingekauft worden sei. Diese Unterdeckung habe durch Regelenergie, die mengenmäßig nicht dafür ausgelegt ist, ausgeglichen werden müssen. Damit wurde die Netzsicherheit riskiert.

Stromerzeugung und Verbrauch müssen im Gleichgewicht sein, sonst bricht das Netz zusammen. Wenn die Händler mehr benötigen als bestellt, müssen sie auf dem Spotmarkt dazu kaufen - und das ist teuer. Eine MWh, die sonst 50-55 Euro kostet lag am Spotmarkt während der besonders kalten Tage im Februar stundenweise bei 100, teilweise sogar bis 380 Euro/MWh. Stromhändler sollen, obwohl sie einen höheren Strombedarf absehen konnten, bewusst nicht nachgekauft haben, um Geld zu sparen.

Das Netz musste währenddessen durch Regelenergie ausgeglichen werden, deren Funktion es eigentlich ist, das Netz sekundengenau auszugleichen. So schrammte das deutsche Stromnetz aufgrund fehlender Strommengen, die die Händler absichtlich nicht gekauft hatten, um Geld zu sparen, knapp am Blackout vorbei.

Die Bundesnetzagentur prüft nun die Stromhandelsbilanzen, um herauszufinden, wer dafür verantwortlich war. Außerdem schlägt deren Chef Matthias Kurth vor, den Preis der Regelenergie an die Preise der Spotmärkte zu koppeln, damit kein Anreiz mehr besteht, auf Kosten der Netzsicherheit zu zocken. Das Ende der Strombörse und deren Ersatz durch Lieferverträge zu fordern, ist dagegen leider immer noch ein politisches Tabu.

Anzeige
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Anzeige

Noch schlimmer als zuvor

Peter Mühlbauer 30.10.2009

Was Banken und Banker aus der Krise gelernt haben

Heute ist Weltspartag. Früher kamen zu diesem Ereignis Vertreter von Geldinstituten in die Grundschulen und erklärten den Kindern in einer Art Religionsunterricht II, dass sie bei ihnen auf wundersam einfache Weise ihr Geld vermehren könnten. Dazu passend gab es Märchenbücher mit Bildern zum Einkleben und bunte Metallsparbüchsen mit beweglichem Henkel, die man hin- und herschwingen konnte.

weiterlesen
Enthemmte Wirtschaft Es werde Geld ... Nazi-Virus im Film
bilder

seen.by


TELEPOLIS