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Schiffe versenken in Indien

03.02.2011

Am 30. Januar 2011 versenkte ein deutscher Frachter irrtümlich eine Fregatte der indischen Marine. Es ist der bisher größte Verlust der indischen Streitkräfte

Es geschah am späten Nachmittag gegen 16.45 Uhr in den engen Hafengewässern von Mumbai. Der deutsche Container-Frachter "Nordlake", der zur Hamburger Reederei Nord Klaus E. Oldendorff GmbH gehört, aber unter zypriotischer Flagge fährt, musste dem Frachter "Sea Eagle" ausweichen. Allerdings gab es zwischen beiden Schiffskapitänen offensichtlich Abstimmungsprobleme. Daraufhin rammte das deutsche Schiff eine indische Fregatte mit einer Geschwindigkeit von rund 10 Knoten (= 18,5 km/h). Daraufhin brach an Bord der Fregatte ein Feuer aus und das Schiff sank.

Die "Nordlake" wurde 1994 von der Werft Stocznia Szczecinska S.A. im polnischen Szczecin fertiggestellt. Es ist ein 22.400-Tonnen-Frachter mit einer Länge von fast 180 Metern und einer Breite von 25,3 Metern. Das Schiff kann 153 Container aufnehmen. Über die Zahl der Besatzungsmitglieder wurde nichts bekannt; es sollen sich keine deutschen Staatsbürger an Bord befunden haben.

Die indische Fregatte "F 42 Vindhyagiri" gehört zur "Nilgiri"-Klasse, einem indischen Nachbau der britischen "Leander"-Klasse. Das Kriegsschiff wurde 1981 auf dem Mazagon Dock Ltd. in Mumbai fertiggestellt. Das Schiff hat eine Länge von 113 Meter bei einer Breite von 13 Metern. Die Wasserverdrängung beträgt vollbeladen 2.962 Tonnen bei einem Tiefgang von 4,1 Meter. Zur Schiffsbesatzung gehören 267 Matrosen, allerdings war auf dem Schiff zum Zeitpunkt des Unglücks "Familientag" und zahlreiche Ehefrauen und Kindern befanden sich zusätzlich an Bord. Zur Bewaffnung der Fregatte gehören ein Zwillingsgeschütz Vickers Mk6 mit einem Kaliber von 114 mm, zwei Oerlikon-Geschütze 20mm, 2 Zwillingsgeschütze AK230 mit einem Kaliber 20 mm und ein Granatwerfer Bofors 375 mm. Hinzu kommen noch sechs Rohre für Torpedos vom indischen Typ NST 58 mit einem Gefechtskopf von jeweils 34 kg Sprengstoff. Außerdem befindet sich für Transportaufgaben ein Hubschrauber an Bord.

Während die Fregatte nun auf dem Grund des Indischen Ozeans liegt, blieb der deutsche Frachter unbeschädigt. Der Geschäftsführer der Hamburger Reederei Peter Rybraczyk das Debakel mit seemännischer Gelassenheit: "Wir sind froh, dass es nach bisherigen Erkenntnissen weder einen Umweltschaden noch Verletzte oder gar Tote gegeben hat."

Laut Pressemeldungen soll die "Vindhyagiri" nun gehoben werden, um die Schifffahrtsrinne wieder frei zu bekommen. Anschließend wird das Schiff abgewrackt, was ursprünglich für 2012 ohnehin geplant war. Diplomatische Spannungen sind eher unwahrscheinlich. Allerdings wird der Unfall in die Militärgeschichte eingehen: Es war das erste Mal, das eine Fregatte von einem zivilen Frachtschiff versenkt wurde.

Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit.

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