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Übermensch
Nachrichten über die Verbesserung, Erweiterung und Ablösung des Menschen

Schmerzmittel als Drogen

21.10.2012

Der Missbrauch an Schmerzmitteln nimmt bei jungen Menschen drastisch zu, in den USA sterben mittlerweile mehr Menschen an einer Überdosis dieser Medikamente als an einer von Kokain und Heroin zusammen

Den Krieg gegen die Drogen wollen die US-Regierungen aller Couleur nicht verändern, obgleich es mittlerweile deutlich wird, dass sie ihn im eigenen Land, aber auch in Lateinamerika verloren haben, wo die Stimmen lauter werden, zumindest Marihuana zu legalisieren, um die Geldflüsse der Drogenbanden auszutrocknen. Uruguay will nicht nur die Produktion, sondern auch den Vertrieb in staatliche Hand nehmen.

Eine im Journal of Adolescent Health veröffentlichte Studie von Soziologen der University of Colorado Denver, die Daten des jährlich durchgeführten, repräsentativen National Survey on Drug Use and Health zwischen 1985 und 2009 ausgewertet haben, zeigt allerdings auf, dass zumindest in den USA die gefährlichen Drogen zunehmend aus einer anderen Ecke kommen, nämlich aus der Pharma-Industrie. Unter jungen Menschen ist der Missbrauch mit verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Vicodin (Opioid), Valium (Benzodiazepin) oder Oxycontin (Opiat) in der letzten Zeit deutlich angestiegen und liegt in der Kohorte der zwischen 1980 und 1994 Geborenen um 40 Prozent höher als in den früheren Kohorten - und zwar bei Frauen und Männer sowie unabhängig von der ethnischen Herkunft. Nach Marihuana ist damit der nicht medizinisch begründete Konsum von Analgetika (Schmerzmitteln), wie die Soziologen sagen, zur zweithäufigsten Form des illegalen Drogenkonsums in den USA geworden.

Für den Soziologen Richard Miech, Erstautor der Studie, ist der Missbrauch verschreibungspflichtiger Drogen "die nächste große Epidemie". Zwar sei allseits bekannt, dass der Missbrauch von Analgetika allgemein ansteigt (zwischen 2004 und 2009 um 129 Prozent), die Studie habe aber zeigen können, dass dieser Anstieg sich bei den jungen Menschen noch beschleunige. Das verdanke sich der steigenden Verfügbarkeit von Analgetika, die Hydrocodone und Oxycodon (Opioide) werden von den Ärzten zunehmend mehr verschrieben. 1991 wurden 40 Millionen dieser Medikamente verschrieben, 2007 bereits 180 Millionen, eine Zunahme um das Vierfache. Innerhalb von zehn Jahren (1997 und 2007) ist die Zahl der Menschen, die sich in Behandlung begaben, weil sie süchtig nach Opiodien waren, um 500 Prozent gestiegen.

Die Medikamente liegen also in den Haushalten herum, gelten oft als harmlos, werden von den Eltern genommen und dann eben auch von Jugendlichen und jungen Menschen. Mittlerweile aber sterben mehr Menschen an einer Überdosis dieser Medikamente als von der Überdosis von Kokain und Heroin zusammen. "Während die meisten Menschen die Gefahr erkennen, wenn eine geladene Schusswaffe im Haus herumliegt", so sagt Miech drastisch, "erkennen nur wenige Menschen, dass viel mehr Menschen in der Folge von ungesicherten Verschreibungen von Medikamenten sterben." Seit den 1990er Jahren soll die Zahl der Todesfälle durch eine nicht beabsichtigte Überdosis durch verschreibungspflichtige Medikamente um das Dreifache gestiegen sein. Der Krieg gegen die illegalen Drogen verdeckt dieses Problem.

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