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Schweiß, Gerüche, Samen, Speichel: Warum Sex nicht eklig ist

13.09.2012

Die Ekelschwelle, so eine Studie, scheint bei starker sexueller Erregung zu sinken

Getrieben vom sexuellen Begehren wird gerne einmal der Ekel abgeschaltet. Schließlich bringen sexuelle Kontakte Schweiß, Speichel, Samen und Körpergerüche mit sich, allesamt Phänomene, die normalerweise Ekel hervorrufen können. Charmaine Borg und Peter de Jong, Psychologen der Universität Groningen, gehen davon aus, wie sie in ihrem Beitrag für die Open-Access-Wissenschaftszeitschrift PLoS One schreiben, dass Ekel bei sexueller Aktivität mitverantwortlich für Sexualstörungen sein könne und sie fragen sich, wie es die Menschen angesichts der normalen Ekelschwellen überhaupt schaffen, einen genussreichen Sex haben zu können. Sie verweisen auf Sigmund Freud, der geschrieben hatte, dass ein Mann, der den Mund eines schönen Mädchens leidenschaftlich küssen würde, schon vor der Vorstellung abgesto0en sein könnte, deren Zahnbürste zu benutzen. Sex und Ekel seien sehr tief evolutionär verwurzelte Phänomene, und besonders Mund und Vagina gehörten zu den Körperteilen mit der stärksten Ekelempfindung, vermutlich weil sie der Außenwelt gegenüber geöffnet sind, sagen die Psychologen.

Wie also könnte die sexuelle Begierde den Ekel überwinden. Möglicherweise dadurch, dass sie den Ekel vor bestimmten Phänomenen wie eben Schweiß, Samen oder Speichel zeitweise reduziert, so die Hypothese der Psychologen. Das hatte sich zumindest als Ergebnis einer anderen Studie mit männlichen Versuchspersonen ergeben, denen erotische Bilder von Frauen gezeigt und die dann ekelerzeugenden sexuellen und nichtsexuellen Stimuli ausgesetzt wurden. Beispielsweise langten die eine Gruppe der Versuchspersonen, deren Nasen verstopft waren, mit einer Hand durch eine Öffnung in einem Eimer, in dem sich entweder Kondome, Erbsen oder Suppe befanden. Wer von den Bildern sexuell angeregt war, soll sich von den sexuellen Stimuli - den Kondomen - weniger geekelt haben als die Mitglieder der Kontrollgruppe. Auch weitere Studie hätten einen solchen Zusammenhang gezeigt. Allerdings gibt es unterschiedliche Ekelformen vor unterschiedlichen Stimuli. Es kann schließlich auch einen moralischen Ekel geben.

Für ihren Versuch mit heterosexuellen, nicht sexuell gestörten 90 Frauen, denen erotische, sportlich-erregende oder neutrale Filme gezeigt wurden, haben die Psychologen vier Stimuli für unterschiedliche Ekelformen verwendet: z.B. einen Keks zu essen, der neben einem lebenden Wurm liegt, soll den zentralen Ekel darstellen, der moralische Ekel soll etwa durch die Vorstellung erweckt werden, ein Hemd anzuziehen, das von einem Pädophilen während sexueller Akte getragen wurde, den Knochen eines toten Tieres anzufassen, soll den Ekel vor Tieren darstellen, der Ekel vor Verschmutzung soll durch die Vorstellung erzeugt werden, eine getragene Unterhose in einen Waschbeutel zu stecken. Die Versuchspersonen sollten zuerst die Aufgabe beobachten, dann die Vorstellung, sie auszuführen, beurteilen. Dann sollten sie diese ausführen, mussten dies aber nicht, und darauf beurteilten die Versuchspersonen noch einmal die ekelerregende Aufgabe. Überdies mussten sie Fragebogen über das ausfüllen, was sie eklig finden.

Die Frauen, die sexuell erregende Filme gesehen haben, empfanden mit Sex verbundene Stimuli als weniger ekelhaft als die Frauen, denen die neutralen und die Sportfilme gezeigt worden waren. Und sie führten auch mehr Aufgaben aus als die Frauen der anderen Gruppen, wobei es aber keinen großen Unterschied machte, ob es sich um mit Sex verbundene oder nicht damit verbundene Stimuli handelte. Für die Psychologen heißt dies, dass Erregung, die etwa von den Sportfilmen geschürt wurde, nicht alleine ausschlaggebend für den Effekt sein könne, sondern dass die sexuelle Erregung die Ekelschwelle zu senken scheint. Frauen würden hier also ähnlich wie die Männer in der anderen Studie reagieren, dass sie auch weniger Ekel vor nichtsexuellen Stimuli zeigen, könnte daran liegen, dass die Männer durch die Fotos weniger erregt waren wie die Frauen, denen Filme gezeigt wurden, vermuten die Psychologen. Sie gehen auch davon aus, dass Menschen, die nur ein geringes sexuelles Begehren haben, deswegen eher Ekel in sexuellen Situationen verspüren, was die Abneigung gegenüber sexueller Stimulation verstärken könnte.

Wie also schaffen es die Menschen, trotz aller ekelhaften Eindrücke beim sexuellen Kontakt einen vergnüglichen Sex zu haben? Sie müssen einfach stark sexuell erregt sein, so die Psychologen. Wer das nicht ist, neigt dann eher dazu, Ekel zu empfinden und daher Sex zu vermeiden.

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