w
Außer Kontrolle
Twister schreibt

Selten besonders erwähnenswert

Der Prozess gegen Jörg Tauss hat begonnen - und mehr und mehr wird sein Leben auf die derzeitige Situation verkürzt. Schade.

Ich gebe es offen zu: Ich bin kein Fan von Jörg Tauss. Er erschien mir oft als Wendehals, als Opportunist. Seine Haltung bei der Vorratsdatenspeicherung habe ich nie gutheißen können, da ich nicht der Meinung bin, dass eine EU-Richtlinie umgesetzt werden muss. Jörg Tauss sah dies anders.

Ich halte das in der Tat für einen Anschlag auf Bürgerrechte und auf Datenschutz in Europa, der inakzeptabel ist; da stimme ich den Kritikern zu. Mit dieser Bewertung komme ich jetzt aber nicht weiter. Wir haben diese Richtlinie nun einmal umzusetzen. Würden Sie deswegen nicht auch konstatieren, dass sich hier etwas an der Lage geändert hat? Wir müssen eine Richtlinie umsetzen, ob sie uns gefällt oder nicht. ( TP-Artikel von mir)

Doch egal ob er mir sympathisch ist oder nicht - er ist einer der wenigen Politiker, bei denen man noch Kompetenz bemerkte. Bereits 2002 war er einer der Erstunterzeichner beim Thema "Keine Zwangsfilter in Nordrhein-Westfalen", er kritisierte die Art und Weise, wie bei Behörden und Abgeordneten darum geworben wurde, keine Open-Source-Produkte einzusetzen, er war und ist bei der Thematik "Netzsperren" einer der wenigen, bei dem man das Gefühl hatte, auch mit Begriffen wie "IP-Adresse oder DNS" nicht gleich Verwirrung zu stiften.

Egal wie man in der derzeitigen "Angelegenheit" (die hier nicht das Thema sein soll, dafür gibt es schon genug Foren - u.a. auch bei Heise Online) aufgestellt ist, Tauss' Wirken bzw. sein Leben nur auf die derzeitige Situation zu verkürzen ist unfair.

Vor jenem 5. März 2009 war das Dasein des SPD-Politikers selten besonders erwähnenswert

, heißt es bei Spiegel Online. Schon zu Beginn des Artikels wird der geneigte Leser auf die "Ungeheuerlichkeit" des Verdachtes eingeschworen. Jahrelanges Wirken des ehemaligen SPD-Politikers wird darauf verkürzt, dass es am 5. März 2009 zu einer Hausdurchsuchung bei ihm kam, in schönster Revolverblattmanier wird der "den Anti-Porno-Sheriff" gebende Ex-Abgeordnete weiter medial zerfleddert, wie er es schon seit der Hausdurchsuchung wurde, die praktischerweise gleich in alle Medien Eingang fand, genauso wie Details zum laufenden Verfahren stets an die interessierte Öffentlichkeit weitergegeben wurden, so als hätten Staatsanwaltschaft und Co. noch nie von einem "wir geben keine Informationen über laufende Fälle" weiter.

Wer z.B. bei Telepolis den Suchbegriff "Jörg Tauss" eingibt, der findet dessen Meinung zum Thema Sicherheitspolitik, er findet Kompetentes zur Onlinedurchsuchung, zur Offenlegung von Gehältern bei Abgeordneten usw. Dass mit einem Satz das Wirken eines Politikers hinweggefegt wird und er auf "der Typ, der nur wegen der Hausdurchsuchung und der Sache mit den Kinderpornos erwähnenswert ist" reduziert wird, dürfte vor allen Dingen jene mit neuer Denknahrung versorgen, die hinter der derzeitigen Situation eine Verschwörung vermuten. Ich bin schlichtweg der Meinung, dass es keine Verschwörung gibt, aber Tauss' Dummheit und sein Alleingang ausgenutzt wurden, um ihn als unbequemen Politiker loszuwerden, was auch prima geklappt hat. Jetzt rückwirkend sein Politikerleben als "selten erwähnenswert" zu bezeichnen, wäre von diversen Kollegen zu erwarten gewesen, von einem Nachrichtenmagazin mutet es seltsam an.

Anzeige
Cover

Die Moral in der Maschine

Beiträge zu Roboter- und Maschinenethik

Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Nicaragua in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Demokratie am Ende?

Wolfgang J. Koschnick analysiert den Niedergang der entwickelten parlamentarischen Parteiendemokratien. Das verbreitete Klagen über "die Politiker" und die allgemeine "Politikverdrossenheit" verstellt den Blick dafür, dass alle entwickelten Demokratien in einer fundamentalen Strukturkrise stecken.

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.