p
Politik News
Nachrichten aus Politik und Wirtschaft

Sexismus in der Piratenpartei

08.04.2012

Die Jungen Piraten haben einen Offenen Brief geschrieben

Die Jungen Piraten haben einen Offenen Brief an die Piratenpartei veröffentlicht, in dem sie sich "mit großer Sorge und zunehmendem Ärger" darüber beklagen, dass Parteimitglieder "durch rassistische, sexistische, aber auch anderweitig diskriminierende Aussagen oder Verhaltensweisen" auffallen. Frauen sind in der Partei bekanntlich in der Minderzahl, auch wenn einzelne deswegen auch Promi-Status genießen, zudem will die Piratenpartei eigentlich die Geschlechterkämpfe hinter sich lassen und Post-Gender sein.

"Beim Brainstorming zu diesem Brief wurden einige Beispiele diskriminierender Aussagen und Vorfälle genannt: eine Frau galt als 'zu hübsch', um ernstgenommen zu werden, eine andere 'sollte mal richtig hart durchgefickt werden, vielleicht entspannt sie sich dann ja mal', ein Mitglied war der Meinung, Frauen gehörten nicht auf Stammtische, 'ausländerkritisch' zu sein galt in einer Twitterdiskussion als vollkommen in Ordnung."

Eigentlich ist wenig verwunderlich, dass eine deutlich mehrheitlich von Männern beherrschte Partei wie die Piraten ein Problem mit dem Sexismus hat - gerade in Zeiten, in denen verunsicherte Männer Probleme mit ihrer Rolle haben und sich von der feministischen Political Correctness unterdrückt fühlen. Das ist auch bei Telepolis bemerkbar, wenn entsprechende Themen diskutiert werden, da unsere Leserschaft ebenfalls überwiegend männlich und technikaffin ist, sich also vermutlich mit den Sympathisanten und Mitgliedern der Piraten überschneidet. Wenn zwei Drittel der Telepolis-Leser, also derjenigen, die sich an Umfragen überhaupt beteiligen, mit den Piraten sympathisieren, dann liegt eine Nähe auf der Hand.

Natürlich stürzen sich die Medien auf Konflikte in der Start-up-Partei, die so viele Erfolge einfährt, aber noch völlig unfertig ist und sich erst einmal finden muss. Dazu kommt die von der Piratenpartei hochgehaltene Transparenz, die auch vor einer internen Klärung den Medien Futter bietet, um Konflikte zu verstärken. Man könnte ja auch der Meinung sein, dass die Piratenpartei im Gegensatz zu den anderen Parteien mit größerer Disziplin solche Diskussionen über Sexismus zulässt und ermöglicht, sei ein Beweis für größere Offenheit und nicht für die verstärkte Präsenz von Sexismus. Von außen lässt sich das schwer erkunden, aber man sollte vermuten, dass die Piraten vermutlich nicht sexistischer sind als die CSU oder die CDU. Bei den Kommentaren überwiegen zwar wieder die Männer, aber sie äußern sich in der Regel positiv zum Anliegen, z. B.: "Ich finde den Denkanstoß richtig. Wenn man alleine schon mal einen Tag die Diskussionen im Forum der Par­tei betrachtet, kann man den Eindruck gewinnen, dass dort manchmal einfach über kritikwürdige Aussagen hinweggesehen wird."

Piratenparteichef Sebastian Nerz versucht dennoch wahrscheinlich mit einer parteitaktischen Haltung das Problem kleinzureden, anstatt es aktiv aufzugreifen. Das sei "sehr vereinfacht und sehr einseitig", sagte er dem Spiegel. Diskriminierung würde dem Selbstverständnis der Partei natürlich widersprechen: "Dennoch können und wollen wir nicht jeden einzelnen Piraten und dessen Äußerungen kontrollieren."

Marina Weisband verhält sich da geschickter, was möglicherweise auch die Erfahrung der Frauen in der Piratenpartei reflektiert: "Vielen Dank für diesen Brief. Ich stehe voll hinter dem Inhalt. Das Problem ist ein echtes Problem und ich wüsste gern, wie wir es lösen können. Parteiausschlussverfahren sind sogar in extremen Fällen richtig schwer (in allen Parteien). Es heißt wohl, klare Kante bekennen. Ich bin auch als BuVo dankbar, wenn wir Anregungen rein kriegen, wie man vernünftig mit solchen Aussagen aus der Partei verfahren kann, um zumindest diese kleine Partei frei von Diskriminierung zu halten."

Anzeige
Hellwach mit Telepolis
Anzeige
Cafe
Telepolis-Cafe

Angebot des Monats:
Kaffee und Espresso aus Guatemala in der Telepolis-Edition für unsere Leser

Cover

Aufbruch ins Ungewisse

Auf der Suche nach Alternativen zur kapitalistischen Dauerkrise

Anzeige
Cover

Medienkritik

Zu den Verwerfungen im journalistischen Feld

Demokratie am Ende?

Wolfgang J. Koschnick analysiert den Niedergang der entwickelten parlamentarischen Parteiendemokratien. Das verbreitete Klagen über "die Politiker" und die allgemeine "Politikverdrossenheit" verstellt den Blick dafür, dass alle entwickelten Demokratien in einer fundamentalen Strukturkrise stecken.

bilder

seen.by

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

Tastenkürzel:

ctrl-Taste:
Zum Wechseln zwischen Heise- und Google-Suche

esc-Taste:
Verlassen und Zurücksetzen des Eingabe-Felds

Buchstaben-Taste F
Direkt zur Suche springen

SUCHEN

Mit dem Schalter am linken Rand des Suchfelds lässt sich zwischen der klassischen Suche mit der Heise-Suchmaschine und einer voreingestellten Suche bei Google wählen.

SUCHEN

.
.